Ende des künftigen Monats reise ich nach Weissenfels zurück.

XII.

Dresden, den 2ten Decemb. 1803.

Es war mir durch einen unvorhergesehenen Zufall nicht möglich, Ihnen eher als mit der heutigen Post die Bücher zu überschicken, die ich Ihnen erstanden habe; recht leid thut es mir, daß ich nur so wenig erhalten habe, da Sie mir aber über die andern so bestimmte Aufträge gegeben hatten, so mußte ich sie gehn laßen. No. 135 oder Libri ChronicorumGeorgii Altenii, und 1854, oder Braunii Abbildung und Beschreibung aller Städte, habe ich, da sie sehr groß und deßfals nicht gut zu transportiren sind, hier behalten und will sie, wenn ich noch weggehn sollte, der Alberti übergeben. Das Geld hat mir die Alberti gegeben. Wäre mir der verwünschte Doktor Petzold nicht in die Quere gekommen, so hätte ich den Percival sehr billig erhalten, doch hat er durch seine sehr große Reue, die er sowohl gegen die Alberti als gegen mich geäußert hat, wieder in etwas meine Vergebung erlangt. Wegen Burgsdorfs Buche, von dem mir die Alberti gesagt hat, weiß ich noch nichts, ich bin schon zweymal bey Heusinger gewesen, habe ihn aber nicht angetroffen, sobald ich ihn treffe, will ich Ihnen den Erfolg schreiben.

Ich habe jezt das Nibelungen-Lied wieder zu lesen angefangen und es hat mir aufs neue sehr gefallen, ich wünsche immer mehr Ihre baldige Ausgabe davon, da ich mir von der verständlichern Sprache manchen Aufschluß erwarte. Ich habe eben in dieser Zeit das gemeine Volksbuch den gehörnten Siegfried gelesen, der meiner Meynung nach eine bloße Parodie des Nibelungen Liedes ist; mir ist es so vorgekommen, als ob schon zu der Zeit, wo dieser der gehörnte Siegfried geschrieben, die Bedeutung der Nibelungen schon so unbekannt und unbegreiflich gewesen ist, daß man an ihre Stelle den König Egwaldus substituirt hat. Auf jeden Fall aber scheint es mir, als ob der Aufschluß davon blos im Norden zu finden sey, da wenn das südlichere Deutschland daran Antheil genommen hätte, wir auf jeden Fall bestimmtere Nachrichten davon haben müßten, da König Ezzel oder Attila den Römern und andern cultivirtern Völkern so nahe war. So der Kampf zwischen Dietrich von Bern und dem Riesen Eck, der auch unter dem Nahmen des gehörnten Siegfrieds in diesen vor sich geht. Weiß ich nur erst die Stäte, wo ich mein Haus künftig bauen soll und bin ich dadurch gewißermaßen erst in einen bestimmten Ruhestand versezt, so will ich mit rechtem Eifer die nordische Geschichte zu treiben anfangen, da ich ganz allein von Ihr nähere Aufklärung hoffe. Wie gern hätte ich gewünscht, mündlich mit Ihnen über diesen und so manchen andern Gegenstand, der mir am Herzen liegt, sprechen zu können, aber leider sehe ich in diesem Augenblick keine Aussicht dazu, da meine ehlige Verbindung mit der Welt mir immer näher tritt. So sehr ich mich auch freue auf diesen Augenblick der Verbindung, so kömmt es mir doch stets vor, als wenn ich wie einst die Töchter der Israeliten meine verlohrne Freiheit auf den Gebirgen beweinen müßte; das Eintreten in die vesten bürgerlichen Verhältniße, erscheint mir wie der prosaische Theil der Ehe, die nur erst durch die wirkliche Ehe zur reinen Poesie erhoben werden kann, die aber wie die Zahlen in der Mathematik oder die Noten in der Musik schlechterdings vorangehn müßen, ehe wir zum Abend oder zu der eigentlichen Ehe gelangen. Sie müßen eigentlich recht der Text oder der erläuternde Commentar zu jener großen Abendmusik seyn, und ich gestehe, daß sie mir nur aus dem Gesichtspunkt angesehn, erträglich werden. Mein jetziges Verhältniß habe ich nie als Verhältniß betrachten können, sondern immer nur als Kette, die ich entweder zerbrach oder deren drückende Last ich so viel als möglich geduldig ertrug. Es sezte mich mit den Menschen in gar keine Verbindung, und da mein künftiges mich schlechterdings dazu nöthigt, so ist mir dafür am meisten bange, und ich kann Ihnen wohl sagen, daß mich die Brautnacht nicht wenig beunruhigt, und diese quälende Unruhe hat mich bis jezt von vielem abgehalten. Ich warte nun täglich auf bestimmtere Nachrichten, die mich in Hinsicht auf meine Reise zu Ihnen ebenfalls bestimmen werden. Wird binnen hier und Ostern nichts daraus, was ich Ihnen alsbald schreiben werde, so komme ich in der Zeit gewiß nach Ziebingen, und bitte Sie dann mir nur die Zeit zu bestimmen, im Fall ich aber zu Weihnachten von hier weggehe, so muß ich mich trösten, Sie auf einer Reise nach Franken wiederzusehen. Grüßen Sie Ihre liebe Frau und Burgsdorf auf das verbindlichste, vor Weihnachten erhalten Sie gewiß noch Briefe von mir. Klinkowström und Böhndoll lassen Sie sehr schön grüßen, ewig und unveränderlich

Ihr

Freund

Anton Hardenberg.


Hauch, Johann Carsten von.