Ich fühle nun in mir ein Bedürfniß nach Trost und Ermunterung zu diesem Werk, und lieber laße ich das Bild in seinen ersten Umrißen, als daß ich es ohne Ihre Zustimmung beginne. Diese Bitte um ein Paar Zeilen guten Rathes könnte sonderbar und lästig erscheinen, wenn es nicht von alten Zeiten her Sitte gewesen wäre, daß die Jünger ihre Meister um Rath fragten. Auf das Urtheil öffentlicher Critik, wie sie gewöhnlich heut zu Tage betrieben wird, darf ich umsoweniger hören, da sie mir zuweilen ohne Grund schmeichelte, mich zu verwunden suchte, ohne mir meine Blößen anzudeuten.
Sie wohnen zu hoch über dieser Region, als daß die Stimmen zu Ihnen drängen; Sie vernehmen sie wie ein sonderbares, undeutliches Murmeln; ob für eine einzelne, bittende Stimme aus der Ferne Ihr Ohr geöffnet sey, habe ich versucht auch auf die Gefahr hin, für unbescheiden zu gelten.
Ich wünsche Sie möchten versichert seyn, daß mich zu diesem Briefe, welchen ich zu schreiben einige Tage zauderte, nur ein offenes, redliches Herz und jene Bewunderung, jenes ehrfurchtsvolle Zutrauen bereden konnten, womit ich bin
Mein sehr verehrter Herr!
Ihr ganz ergebener
Dr. Wilhelm Hauff.
Hebbel, Friedrich.
Geb. zu Wesselburen in Dithmarschen am 18. März 1813, gest. in Wien am 13. December 1863.