Geb. zu Breslau am 24ten Januar 1798. Aus den vielen Blättern während eines dreißigjährigen persönlichen und schriftlichen Verkehres geschrieben, die Tieck sämmtlich, bis auf das kleinste, nichtigste Zettelchen zurückgelegt hatte, sind nur die zwei ausgewählt worden, die Er — offenbar für diesen Zweck — kopiren ließ. Der erste Brief von seiner 60ten Geburtstagsfeier in Berlin handelnd, nimmt diesen Platz mit vollem Rechte ein. Der zweite muß sich auf des Verstorbenen letzten Willen berufen.
I.
Berlin, d. 2ten Juni 1833.
Theurer und geliebter Meister!
Ein kurzer Bericht über das Tieckfest vom 31ten Mai 1833 soll auch aus meiner Feder fließen. Ich will Alles umständlich erzählen und auch die kleinsten Nebendinge nicht verschweigen, Ihnen ein lebendiges Bild des Abends zu geben, der lange in unsern Herzen nachhallen wird.
Rauch, Raumer, Wilh. Neumann, Haering und ich hatten an Alle, von denen wir wußten, oder voraussetzen durften, daß sie in irgend einer nähern geistigen Beziehung zu Ihnen stehen, gedruckte Einladungen erlassen. Leider konnten nur 223 Meldungen angenommen werden, weil der einzige zur Zeit disponible Speisesaal nicht mehr Personen faßt. Eben so viele mußten abgewiesen werden.
Man versammelte sich von 8 Uhr des Abends an im Lokale des Englischen Hauses. Die Kommenden wurden von uns, dem fünfblättrigen Kleeblatt, empfangen und in die vorderen Zimmer geführt, wo zunächst jeder und jede sich in das rothe, Ihnen durch unsre Hähnel überreichte Buch einschreiben sollte. Ich fürchte, manche haben es nicht gethan, weil die Angst und Eile: sich Plätze im Speisesaal zu sichern, zu groß war. Deshalb leg’ ich hier eine diplomatisch genaue Abschrift der Liste zur Ergänzung bei. Bald nach neun Uhr ging der lange Zug zur Tafel. Ihr Bruder Friedrich saß unter Ihrer mit Lorbeerkränzen geschmückten, mit Guirlanden umhangenen Büste. Vor ihm ein frischer Kranz. Neben ihm die Damen Steffens und Alberti; ihm gegenüber Rauch. An dieser Tafel saßen die sogenannten Standespersonen und es war viel Geheimes darunter. Den rechten Flügel bildeten Johannes Schulze und der Weimarische Kanzler v. Müller.
An der zweiten Tafel präsidirte Raumer, zwischen meiner Frau und der Hähnel, weiter unten Crelingers, Beers, — da ging es schon nicht so geheim zu, vielmehr recht laut.
Die dritte Tafel ward von Neumann und mir commandirt. Viel lustige Gesellen, und man behauptet, dort zuerst hätten die Champagner-Pfropfen geknallt.
Schändliche Verläumdung! Das war an der vierten Tafel. Diese, der Obhut des soliden Wilibald Alexis anvertraut, barg an einer ihrer Ecken das Königstädter Personale. Dort, ach dort war es, wo die ersten Schüsse fielen. Der dicke Kapellmeister Gläser hatte drei Gläser vor sich. Er schien ihr Vater zu sein.