Für die frohe Ueberraschung die Du mir durch Deinen letzten freundschaftsvollen Brief geschenckt hast, kann ich Dir nicht warm genug danken. Ich erhielt ihn so eben durch den jungen Schauspieler, der von Deutschland zurückgekommen ist. — Es ist, wie Du sagst, zu traurig, daß die Menschen die sich etwas zu sagen haben, getrennt sind und wie in eine Verbannung leben. Um so viel schätzbarer ist jede schriftliche Mittheilung von einem in der Ferne lebenden Freunde. Dein schöner Brief hat mich in Deinen Kreis zurückgeführt und alle frohe, nur zu bald verfloßene Stunden, die ich in dem gemüthlichen Dresden verlebte, in mein Gedächtniß zurückgerufen.
Besonders danke ich Dir für alle Güte, die Du meinen Landsleuten erweißest. Du bist einer der vorzüglichsten Schutzgeister der Schweden auf Deutscher Erde. Auch bewahren sie als das schönste Andenken ihrer Wanderung, die Erinnerung Dich gesehen, mit Dir gesprochen, und Dich lesen gehört zu haben. Deine hiesigen, Dir persöhnlich ergebenen Bewunderer bilden eine Colonie die mit jedem Jahre zuwächst. Welchen Einfluß Du seit 30 Jahren auf die Schwedische Litteratur ausübst, ist Dir bereits bekannt, wie auch daß verschiedene Deiner Werke in unsere Sprache herübergetragen sind. Wahrscheinlich weist Du auch schon aus erster Hand, daß Oehlenschläger angefangen hat Deine Novellen zu übersetzen. Dieser guter Freund hat auch mir die unverdiente Ehre erzeigt meine (Dir zugeeigneten) Dramatischen Studien ins Dänische hinüberzutragen. In Deutschland und Dänemark wird die eigentliche schöne Litteratur noch mit Wärme von dem Publikum umgefast. Hier hingegen kann sich nunmehr fast gar keine Schriftstellerey ohne Zusatz von Politik auf allgemeine Theilnahme Rechnung machen. Kannengießerey, schmähende und gaukelnde Tageblätter, haben beynahe alle andere Lectüre verdrängt, und es wird Dich wundern zu erfahren, daß ein hiesiger Publicist, wie man sagt, eine jährliche Einnahme von 40,000 Rtlr. (Reichstahler) Schwedisch Banco hat, das heist mehr für einen Jahrgang Tageblätter als alle beßere Schriftsteller Schwedens zusammengenommen mit allen ihren Werken verdient haben. So lange sich die Kannengießerey und der Tadel innerhalb der gesetzlichen Schranken halten, ist davon nichts zu sagen; wenn aber solches zu hemmenden Maßregeln herausfordert, wenn die hemmenden Maßregeln Mord und Todtschlag nach sich ziehen und der Streit über das Aeußerungsrecht sich endlich in einen Kampf um Leben und Eigenthum auflösen kann, dann wird die Preßfreyheit, anstatt ein Mittel zu Aufklärung und Veredlung zu seyn, eine Losung zur Anarchie und Pöbelherrschaft. In solchem Fall habet Ihr in Deutschland nicht viel Ursache über eine beschränktere Preßfreyheit zu klagen.
Wundere Dich daher nicht, wenn ich Dir unter dergleichen Verhältnißen nicht Vieles über die Schwedische Litteratur sagen kann. Die Dichter haben ihre Leyern an die Weidenbäume gehängt, um sie nicht von Steinen zerschmettert zu sehen. Geyer allein hat mit diesem Jahre eine litterarische Monatschrift angefangen, die aber gleich zur Politik übergegangen ist und wahrscheinlich in ihrem Fortgange nur dieses Fach umfaßen wird. — —
Meine Frau ist unbeschreiblich dankbar für Dein gütiges Andenken und bittet mich Dich und Deine liebenswürdige Umgebung herzlichst zu grüßen. Auch ich bitte um meine ehrerbietige Empfehlung an die Damen, bey denen ich mich auch durch beygehende kleine Romanze von meiner Fabrik in Erinnerung zu bringen wünsche. Sie hatte das Glück bey ihnen und besonders bey der Gräfin Beyfall zu finden, als ich dieselbe zuletzt in ihrem Salon sang. — Grüße auch herzlich S. Ex. v. Lüttichau, Carus, Sternberg und andere Freunde! Mein inniger Wunsch ist Dich künftiges Jahr in dem lieben Dresden wiederzusehen. Gott schenke Dir und den Deinigen fortdauernde Gesundheit, Freude und Wohlseyn, dies wünscht Dein unveränderlich und
dankbarst ergebener Freund
Bernh. v. Beskow.
VII.
Stockholm den 20. Nov. 1839.
Theuerster Freund!
Es ist nun so lange her seitdem ich das Vergnügen hatte mich bey Dir in Erinnerung zu bringen, daß ich nicht umhin kann die Gelegenheit zu benutzen, die sich jetz darbietet Dir mit einem Freunde dem Major v. Hazelius, einige Zeilen zu übersenden. Dieser Freund ist Adjutant bey unserm Kronprinzen, ein ausgezeichneter Verfaßer in den Kriegs-Wißenschaften, ein Mann von weitumfaßender Bildung und warmem Gefühl für Poesie und Kunst. Auch ist er mit Atterbom, Geyer, und Deinen Schwedischen Freunden nahe verbunden.