Theuerster Freund!
Im Januar Monat dieses Jahrs sandte ich Dir von Rom aus einen Brief, den Du, wie ich vermuthe, richtig empfangen hast. Ich hatte damals die Hoffnung auf meiner Rückreise den Weg über Berlin nehmen zu können. Späterhin eingetroffene Umstände, (worunter das Hinscheiden des damaligen Königes und der bald darauf zusammenberufene Reichstag) nöthigten mich indessen die Reise nach dem Vaterlande zu beschleunigen und den Weg über Paris zu nehmen. Die Freude Dich wiederzusehen mußte daher bis zu meiner nächsten Reise ins Ausland aufgeschoben werden, und damit, hoffe ich, wird es nicht gar zu lange dauern. Unterdessen ist es mir ein Vergnügen, Dir zu der Ehrenbezeugung, welche unser jetziger König Dir bey seiner Krönung durch das Nordstern-Kreuz ertheilt hat, Glück zu wünschen. Es ist dieselbe Zierde welche Linné und Haller getragen haben, und welche bey uns die größten Litterarischen Verdienste auszeichnet, weshalb sie auch nicht unter den vielen Beweisen von der Achtung der Zeitgenoßen fehlen mußte, welche Dir von so vielen Ländern aus dargereicht wurden.
Auch ist es mir eine Freude gewesen, durch den berühmten Jakob Grimm, der uns vor einiger Zeit besuchte, Dein Wohlbefinden zu erfahren. Wenn Du Grimm siehst so grüße ihn herzlich von mir. Meine Frau, deren Gesundheit während des Aufenthalts in Italien beträchtlich gewonnen hat, bittet um ihren freundschaftlichsten Gruß an Dich und an die Gräfinn, welcher Du auch meine ehrerbietige Empfehlung machen wirst. Lebewohl, theuerster Freund, und bewahre stets im wohlwollendem Andenken
Deinen
ergebensten
Bernh. v. Beskow.
Böttiger, Karl August.
Geboren den 8. Juni 1760 zu Reichenbach im sächsischen Voigtlande, gestorben den 17. November 1835 zu Dresden, wo er von 1804 bis 1821 Studiendirektor des Pagenhauses, späterhin der Ritterakademie gewesen. Alle Welt weiß von seiner früheren Stellung als Gymnas.-Direktor und Oberkonsist.-Rath zu Weimar; von seinem wissenschaftlichen Verkehr mit den größten Geistern; von seiner gediegenen Alterthumskunde; von seinen zahlreichen und gelehrten Werken in diesem Gebiete; — aber auch von seinen kritisch-theatralischen „Entwickelungen“ und breiten Recensionen —. Letztere zogen ihm damals, wo Iffland in W. Gastrollen gegeben, den scharfen Ausfall im Gestiefelten Kater zu. Und es ist ein wohlthuender Beweis von der Versönlichkeit des Alters, daß zwischen ihm und Tieck in Dresden ein unverstellt herzlicher Umgang möglich wurde, der allen alten Groll aufhob. Deß’ zum Zeichen stehe dies kleine Briefchen (das einzige welches vorlag) hier abgedruckt, obgleich es kürzer ist, wie die Vorrede dazu.
Von Hause den 12. July 1835.