Sehr verehrungswürdiger Freund!

Herr Förster, ein junger Gelehrter aus Altenburg, der die Preußischen Feldzüge mitgemacht und blessirt, jezt hier Lehrer bei einer Militairschule ist, hat mich gebeten, ihm einige Zeilen an Sie einzulegen. Dieser junge Mann ist recht wacker und bescheiden. Er bat mich um meinen Rath bei einem Taschenbuch auf 1817, dessen Herausgabe die Maurersche Buchhandlung ihm anvertraut. Ich habe ihn aufgefordert, Sie um einige Beiträge zu ersuchen, und ihm mein Vorwort versprochen. Sie können das Honorar selbst bestimmen. Jeder kleine Aufsatz, selbst ein kleines Schauspiel, oder ein Bruchstück ihrer Arbeit über Schakespeare, etwa ein Akt ihres Donauweibchens, oder was sie sonst haben, wäre interessant und würde seinen Dank verdienen. Wollen Sie vielleicht über Theater sprechen? das können Sie so herrlich. Fr. von Kleist hat ihnen die kleistischen Papiere übermacht, daraus ließe sich vielleicht, um das Publikum aufmerksam zu machen schon etwas mittheilen. Kurz, sein sie gütig, geben Sie, was Sie haben, und wollen; ich habe nie in einen Almanach geschrieben, weil die Herausgeber meist gar hofärtig waren. Dieser gute junge Mann ist aber bescheiden und läßt sich rathen. Auch Herrn von Schütz, sprechen Sie um einige kleine Beiträge an und eröffnen Sie ihm dieselben Bedingungen. Haben Sie sonst etwas von lebenden oder verstorbenen Freunden so theilen Sie es gütig mit. Fouqué grassirt hier gewaltig bei dem Unverstand, er ist viel besser, als seine Leser, die ganz hölzern sind. Er hat ein großes Glück in seiner Theater-Unschuld, und versäumt keine Vorstellung mit vollkomner Befriedigung beizuwohnen. Man spricht noch immer stark von einem zweiten Theater unter Fouqués Leitung. Bei welchem Fund ein blindes Huhn kein Gerstenkorn gefunden. Meine Wuht gegen das Schauspiel wird täglich größer. Sie liegen so nah, wer Sie verstände wüßte Sie gewiß so in Thätigkeit zu setzen, daß Sie gar nicht gehindert wären, der Gicht abzuwarten. Ich hatte dem alten Waagen eine herliche Gelegenheit gefunden, seine Bilder hier aufzustellen und zu verkaufen, als ich mir die Finger stumpf geschrieben und Alles in Ordnung glaubte, gab er auf einmahl Alles auf. Ich wünsche nicht, daß es der Schaden der Kinder sei. Wir grüssen Sie alle herzlich, (Lücke im Briefe, durch ein weggerissenes Stückchen Papier) Albertis und Mutter, und die Meinigen. Meinen Herzlichen Gruß an den liebenswürdigsten H. von Schütz, er war recht freundlich gegen mich und ich habe ihn sehr lieb gewonnen. Empfehlen Sie mich den Ihrigen, mit vollkomner Verehrung

ihr ergebener

Clemens Brentano.

VI.

(Ohne Datum.)

Ich sende Ihnen hier, liebster Tieck die englischen Comödien, ich habe nur diesen Theil und fürchte, daß Ihnen nun doch nicht ganz geholfen sey, herzlich bitte ich Sie mir das Buch nicht über zwei Monate zu behalten, indem ich einiges daraus bekannt zu machen mich verbunden habe, so viel ich weiß, wollten Sie es ja nicht abdrucken, sondern bei ihrem Buch über Schakespear benutzen. Den Titurel bin ich leider nicht im Stande Ihnen jezt zu senden, da ich ihn dem jungen Dichter und Philologen Wilhelm Müller, der den alten englischen Faust meisterhaft übersetzt hat, auf einige Zeit eben bei Erhalt ihres gütigen Briefes mitgetheilt. Was mich von litterarischen älteren Producten in der letzten Zeit besonders verwundert hat, war eine Uebersetzung der Celestina aus 16ten Jahrhundert in Strasburg erschienen, von so ungemeiner Genialität und ungeheurer Macht und freien elastischen Spannung und Biegung der Sprache, wie mir in meinem Leben nie etwas vorgekommen, eine andre bessre Uebersetzung ist gar nicht möglich. Ich kann nur den Fischart für den Meister halten, es verhält sich ganz zum Original, wie seine Geschichtsklitterung zum Rabelais. Es wurde mir leider auf der Auktion bis 30 Thlr. getrieben, die ich nicht hatte. Ich halte es für eins der merkwürdigsten deutschen Produkte, es ist hier in die Prinz Heinrichsche Bibliothek gekommen. Leben Sie herzlich wohl und bleiben Sie mir ein bischen gut. Görres arbeitet an einer Volks-Liedersammlung von der ersten deutschen Zeit bis jetzt, einer Entwicklung des Ideenkreises im Mittelalter, und einer Sagensammlung.

Ihr

Clemens Brentano.