Wäre ich in Ihrer Stelle, so würde ich R. sehr einfach erklären, daß sowohl Berücksichtigung Ihrer Familie als der Wunsch Ihre Werke gesammelt in einer anständig und einförmig gedruckten Ausgabe erscheinen zu sehen, Sie zu dem festen Beschluß gebracht hätte, im nächsten Jahre eine Gesamtausgabe davon zu veranstalten. Was Wieland, Göthen, Schillern und den Herderschen Erben Recht gewesen und geworden müße es auch Ihnen seyn. Sie glaubten ihm aber vor andern den Vorzug geben zu müßen, weshalb Sie sich zuerst an ihn wendeten. Er möge sich also cathegorisch darüber erklären, wie er darüber denke, und wie er eine solche Gesamtausgabe zu honoriren gedenke. Ihre Bedingung eines saubern guten Drucks sey dabey nicht außer Acht zu laßen.

Können Sie sich dann mit R. nicht einigen und ergeht aus Ihrer Correspondenz mit ihm, daß er darauf resignirt, so trete ich gerne mit Ihnen in nähere Unterhandlung, die auch wohl zu einem Resultate führen dürfte, wenn man dem Publikum in dieser Ausgabe (letzter Hand) wesentliche Verbeßerungen der frühern Schriften und einiges Neue versprechen dürfte und ich der reellen und schnellen Ablieferung des Msc. gewis bliebe.

Auf das Hochachtungsvollste und Freundschaftlichste

Brockhaus.


Brühl, Karl Friedrich Moriz Paul, Graf.

Geb. zu Pfördten am 18. Mai 1772, gestorben zu Berlin 9. August 1837. Von 1815 bis 1828 Generalintendant der Königlichen Schauspiele, späterhin der Museen und Kunstanstalten Berlins. Sein redlicher Eifer für das Edle und Schöne, seine wahre Humanität, seine stets vermittelnde Bereitwilligkeit und Milde, seine männliche Ausdauer im kleinlichen quälenden Kriege gegen Spontini’s Intriguen und Uebergriffe, wobei er stets für deutsches Wesen und Kunst kämpfte, auch siegreich für Carl Maria Weber’s Interesse stritt — dies Alles sichert dem edlen Manne ein ehrenvolles Gedächtniß. Die fünf an Tieck gerichteten Briefchen bekunden, daß er diesem nicht minder anhänglich und ergeben gewesen, wie seinem großen Freunde Goethe, dem er bis zum Tode geistig und gemüthlich nahe stand.

I.

Dresden, 28. August 1829.