Ich ersuche Sie sehr, mich nicht so lange auf eine Antwort warten zu lassen, als ich unseligerweise mir zu Schulden kommen ließ; denn ein Brief von Ihnen ist mir über alles werth. Wollten Sie mich nicht benachrichtigen, was im 4ten B. des Phantasus erscheinen wird? Den Fortunat bewundre ich insbesondre wegen der sinnreichen Auflösung der Schwierigkeit, aus all diesen verschiedenen Elementen ein Ganzes zu formen, welches Sie durch die eingeflochtenen, auf den verschiedenen Punkten der Reise wieder zum Vorschein kommenden Personen der Heimath, bewirkt haben. Ich glaube aber jetzt, daß das Ganze nicht in zwey, sondern in 3 Schauspiele hätte gesondert werden sollen, wo dann freylich im 2ten eine, vom Buche (mehr als der Charakter Ihrer Dichtung verstatten mag) unabhängige Erfindung hätte eintreten müßen. Wenn das Donauweibchen vollendet würde, wäre es eine schöne Sache. Ich habe im 2ten B. der Jahrbücher bey Gelegenheit der Sängerfahrt, einiges darüber gesagt, mich aber nicht so herauslassen können, als ich wünschte, weil weniger gedruckt ist, als ich aus Ihrem Munde in Wien vernommen habe. Ich bitte der Jahrbücher, und mehr noch meiner eingedenk zu seyn.

Mit Hochachtung und Freundschaft

Collin.

Ich ersuche mir die Briefe, meines unstetten Aufenthalts wegen, an die Gerold’sche Buchhandlung in Wien zu schicken, wie Sie mit dem ersten thaten.

III.

Wien, den 18ten November 1818.

Theuerster Freund!

Die Beantwortung Ihres gefälligen Schreibens vom 22t. Oktober, welches ich den 31t. erhielt, verschob ich bis heute, weil ich die Vollendung des 3t. B. der Jahrbücher erst abwarten wollte. Ich lege diesem 3t. B. ein Exemplar der Werke meines Bruders bey, welches ich Sie als ein Andenken, das Sie sowohl an meinen verstorbenen Bruder als mich erinnere, zu empfangen bitte. Ich hätte manches, was sich in diesen Werken befindet, nicht drucken lassen sollen; allein ich ging damals von andern Ansichten aus, als gegenwärtig. Die Biographie befindet sich am Schluße des Ganzen. Ich sende dießmal das Packet durch die Diligence, damit nicht wieder Verspätungen eintreten: gegenwärtig hoffe ich indeß, werden Sie den 2t. B. der Jahrbücher erhalten haben. Wie sehr bedaure ich, daß Sie von dieser bösen Krankheit so arg heimgesucht sind; ich meine nicht von den Jahrbüchern, sondern von der Gicht! Fragen Sie doch einmal Dr. Rust, ob er nicht glaube, daß Ihnen die Schwefelräucherungen, wie man sie jetzt in Wien an vielen Gichtkranken mit Glück in Anwendung bringt, nutzen dürften. Diese Räucherungen sind, wie ich in den Zeitungen las, in Berlin durch die gewissenlose Ungeschicklichkeit der Experimentirenden sehr in Mißkredit gekommen, Dr. Rust aber, der kürzlich erst in Wien war, wird sich vielleicht von den hiesigen heilbringenden Versuchen überzeugt haben. Sehr erfreute mich Ihre und Herrn Solgers Billigung der Jahrbücher; der 3t. Band ist etwas trocknener Natur, mit dem 4t. aber hoffe ich sollen Sie beyde sehr zufrieden seyn. Wenn Herr Solger Theil an dem Unternehmen haben wollte, würde es mir eine sehr grosse Freude seyn; denn seit lange verehre ich seine Kenntniße wie die Gründlichkeit seines Urtheils, und wenn ich ihn nicht sogleich einlud, geschah es nur deßhalb, weil ich nicht hoffen konnte, daß er der Einladung eines ihm ganz unbekannten Mannes zu einem vor der Erscheinung selbst noch zweifelhaften Unternehmen Folge leisten würde. Jetzt darf ich dieß wohl hoffen, insbesondere wenn Sie, verehrter Freund, mich vertreten wollten, und ich schließe daher beyliegendes offenes Einladungsschreiben bey, welches ich Sie aufs beste zu unterstützen bitte. Den Gedanken, selbst Jahrbücher herauszugeben, sollten Sie fahren lassen; denn dieses Herausgeben ist wirklich eine Gattung spiritueller Gicht, und hinterläßt mir wenigstens ununterbrochne Lähmungen, die mir nicht gestatten, eigene Werke zu Tage zu fördern. Ich bin daher eigentlich an diesen Jahrbüchern krank, und zu meinem großen Schaden; denn ich sehe mich in allem gehemmt. Uebrigens will ich gern zugeben, daß Ihnen die Sache nicht so viel Arbeit als mir machen würde.

Ich ersuche Sie recht dringend, bald an eine Arbeit für die Jahrbücher zu gehen. Es ist mir schon ein übles Vorzeichen, daß Sie mir wieder Ostern als den Zeitpunkt anmerken, wo ich etwas zu erwarten habe, denn diese unglücklichen Ostern haben mir auch in diesem laufenden Jahre Früchte, die Sie mir versprachen, bringen sollen, ich bin aber leer ausgegangen. Die Hauptsache ist, wie mich dünkt, daß Sie sich vorerst auf ein einzelnes Werk zur Anzeige beschränken, um Ihre Gedanken nicht zu sehr zu zerstreuen. Welche Beurtheilung Sie mir immer liefern werden, sie wird für die Jahrbücher ein Gewinn seyn. Fr. Schlegel, welcher hier angekommen, zeigt endlich Ernst, etwas beyzutragen, wobey ihn der Himmel unterstützen wolle. Daß Sie meine Ansicht des historischen Schauspiels als die Ihre erkennen, macht mir ungemeine Freude; denn Sie werden sich wohl erinnern, daß Sie mit mir über diesen Gegenstand nicht sprachen, und nur einige Aeusserungen, die Sie damals bey Gelegenheit des Bela fallen ließen, erregten in mir schon damals die Vermuthung, daß meine Ansicht der Ihrigen verwandt seyn müßte. Aber wann wird dieser schon durch so viele Jahre zurückgehaltene Shakespeare erscheinen? Ich würde, wenn ich wie Sie wäre, zugleich eine englische Uebersetzung für die Heimath des Dichters besorgen, wo das Werk für jeden Fall große Aufmerksamkeit erregen wird. Sogleich nach Erscheinung des 4t. Theils des Phantasus werde ich eine Anzeige desselben für die Jahrbücher verfassen, und dieselbe zum Anhaltspunkte wählen, um überhaupt über das Charakteristische und den Geist Ihrer Dichtungen nach meiner Ein- oder Ansicht zu sprechen, nur ersuche ich Sie dann den Willen für die That gelten zu lassen; denn ich weiß sehr wohl, welch ein schwieriges ja gefährliches Unternehmen dieß seyn wird, da es sich dabey nicht darum handeln darf, Lobsprüche zu ertheilen, und sich mit der ausgesprochenen Versicherung des bey den Lesungen empfundenen Vergnügens zu begnügen.

Wenn A. W. Schlegel endlich seinen Shakespear vollenden wollte, wäre es eine schöne Sache. Ich sehe nicht ein, wie ihm beym Anblicke des Voßischen nicht die Pflicht klar wird, was er begonnen, auch hindurch zu führen. Es kann ihm auch keineswegs schwer fallen.