Diese Zeilen haben übrigens einen höchst interessirten Anlaß, — nämlich Ihnen eine überaus werthe Freundin dringendst zu empfehlen, die (überhaupt sehr geistreich und liebenswürdig) an Begeisterung für Tieck’s Muse mit mir wetteifert und viele seiner Meisterwerke, insonderheit den, trotz aller Versprechungen noch immer nicht fortgesetzten Aufruhr in den Cevennen, aus meinem Munde gehört hat. — Es ist die Bankierswittwe Madam Philipp aus Hannover mit ihren trefflichen Töchtern. Sie ist die Schwester des um das Königliche Haus sehr verdienten Münchner Hofbanquiers und Ritters der bayerischen Krone Baron Eichthal, der sich jetzt wegen der griechischen Anleihe bald in London, bald in Paris befindet. — Sie besucht ihre Familie in Prag, München, Augsburg, St. Blasien auf dem Schwarzwald und kehrt dann wieder nach Hannover zurück. — Ludwig Tieck von Angesicht zu Angesicht zu sehen, gehört zu den lange gehegten Herzenswünschen dieser drei hochgebildeten und interessanten Damen. — Von Ihnen, theuerer Freund, bin ich der gütigsten Aufnahme dieser meiner intimen Freunde gewiß, die mir den Anbeginn meiner Mission in Hannover hindurch ein unentbehrliches und unschätzbares Kleinod gewesen sind. — Etwas shakespearisiren müssen Sie mit ihnen. Es ist bei Gott gut angewendet und ich sehne mich, einmal wieder von Augenzeugen Nachrichten und ipsissima, suprema verba von Ihnen zu hören.
Ihre neuesten Novellen haben mich wie immer sehr angesprochen. Aber dennoch ist mein Wunsch nur um so heftiger, Ihre riesige Kraft wieder einmal an einem grossen und Ihrer würdigen Gegenstande bewährt zu sehen, vor Allem in der Beendigung des Aufruhrs in den Cevennen! Die poetischen Gassenjungen und Zwerge dürfen nicht glauben, Tieck habe die Kraft verlassen, den Zauberknoten zu lösen, den er geschürzt. — Sehr wünschte ich, meine nun schon 30 Jahre bestehenden, historischen Taschenbücher und ihre stehenden Rubriken: Sagen und Legenden, — Ahnentafeln und Burgen wären Ihnen zur Hand und werth, Ihnen interessante Novellenstoffe zu bieten? — Fast sollte ich es meinen.
Genehmigen Sie den erneuerten Ausdruck jener aufrichtigen Bewunderung, treuen Anhänglichkeit und Liebe, mit welchen unaufhörlich beharret
Ganz auf ewig Ihr alter,
treuester Verehrer
Hormayr.
VIII.
München, am 3. Juli 1845.
Ich erlaube Mir, Hochwohlgeborner Herr Geheimerrath, und seit so lange Hochverehrter Freund, zwei geringe Andenken zu überreichen an unsern seit vierzig Jahren, seit der großen antibonapartischen Rüstung 1808 in Wien, in so edelm Beisein, wie der Frau von Staël-Necker, der Nyß, der Frau von Knorring, der beiden Brüder Schlegel, so vieler jenseits der Alpen, der Apenninen und der Pyrenäen des Fremdlingsjoches Ungeduldigen, so vieler edeln, rachedurstigen Preußen, wie Rühle, Grollmann, Pfuel, Marwitz, Kleist, Arnim, Valentini u. v. A. geschlossenen Freundschaftsbund. — 1825, zehn Jahre nachdem die Welt in Frieden und doch nirgend ein rechter Friede war, erneute sich dieser schöne Bund abermal in Wien, in dem herrlichen Hause Salm. Ich kann wohl sagen, daß die unvergleichliche Fürstin Salm 1815|1825 meine Erziehung (freilich etwas spät), gleichwohl aber mächtig vollendet hat, bloß durch die Lesung und das Durchstudiren Ihrer sämmtlichen Werke, aus denen insonderheit Genovefa den unauslöschlichsten Eindruck auf mich gemacht und mehrere Meisterwerke der Historienmalerei durch Führich, Fendi, Ruß und Petter hervorgerufen hat.
Sie erhalten hieneben die göttlichen Burgen des Tyrolischen Etschthales und meine, der erwünschten (alle österreichischen, fatalistischen Mißgeschicke entfernenden) Vermählungsfeier des Kronprinzen Maximilian geweihte goldne Chronik von Hohenschwangau, der Burg der Welfen, der Hohenstaufen und der Schyren-Wittelsbacher. — Nehmen Sie die geringe Gabe freundlich auf. — Der Himmel erhalte Sie für späte Zeiten, in denen Ihr üppig reicher Ruhmeskranz unverwelklich fortblühen wird. — Ihr Genius hat auch auf alle werthvollen Schöpfungen meiner mehr als fünfzigjährigen und auf anderthalbhundert Bände betragenden Laufbahn den entscheidendsten und wohlthätigsten Einfluß geübt. — Ich lege hier ein Verzeichniß derselben bei, wovon ich Sie, edelster Freund, bitte, auch an den wahrhaft großen Alexander Humboldt, auch an Raumer, — Waagen, von der Hagen, Abdrücke gelangen zu lassen, die Ihnen vielleicht nicht unwillkommen und die längst von mehreren Gelehrten-Lexicis, von den Pariser Schmierern der biographies des contemporains, der gallerie des hommes illustres etc. verlangt worden sind: — eine wahrhafte Satyre auf das Horazische: — multum non multa! — Indessen, wo es sich um Entdeckung und Veröffentlichung überreicher Materialien handelt, und um deren kritische Sichtung, immer noch zu rechtfertigen! — Die in Berlin erfahrene, außerordentliche Nachsicht und Güte, (worin freilich Sie mit dem liebenswürdigsten und unvergeßlichsten Beispiele vorangingen), hat in mir den festen Entschluß erweckt, jedes Jahr gegen Ende Mai, — vier bis sechs Wochen dem Besuche Berlins zu widmen. — Meine Frau dankt mit mir Ihnen und der edeln Frau Gräfinn von Finkenstein mit der innigsten Rührung und an die vielen schönen Stunden, namentlich an Romeo und Julie, das ihre gespanntesten Erwartungen noch weit übertraf, immer und ewig gedenkend.