Es freut mich, daß ich im Stande gewesen bin Ihren Wunsch, so viel den Waston betrifft, zu erfüllen. Dieß Werk war in der Partheyischen Bibliothek, und ich konnte es Ihnen daher verschaffen. Von den andren Schriften aber, die Sie erwähnen, habe ich keine gefunden. Massingers Werke besaß der Hauptmann von Blankenburg in Leipzig, der die Zusätze zu Sulzers Theorie geliefert hat, aber ich weiß nicht wohin sie nach seinem Tode gekommen sind.

Im Meß-Catalogus finde ich unter den künftig zu erwartenden Schriften ein altdeutsches Theater von Ihnen in sechs Bänden aufgeführt. Sind dieß eigne dramatische Arbeiten oder Bearbeitungen fremder ältern Produkte? Ich erinnere mich aus einem Gespräche mit Ihnen, daß Sie geneigt waren, Stoffe aus der deutschen Geschichte dramatisch zu behandeln. Nur hätte ich geglaubt, daß diese Dramen nach und nach einzeln erscheinen würden.

Hier haben kürzlich Wolff und seine Frau aus Weimar Romeo und Julie nach Göthens Bearbeitung gegeben. In beyden bemerkt man viel Studium und Göthens Schule, der auf das Plastische, die Ruhe und den Totaleindruck der Darstellung den vorzüglichen Werth legt. Ein Theil des hiesigen Publikums kann sich hieran noch nicht gewöhnen, und die ganz Ungebildeten verlangen jüngere Gesichter für diese beyden Rollen. Indessen hatten sie unter den Anwesenden die Mehrheit für sich und wurden herausgerufen.

Meine Frau und Schwägerin sind wohl und lassen Ihnen viel Freundschaftliches sagen. Bey uns allen ist der Wunsch recht wieder rege geworden, einmal wieder von Ihnen etwas aus dem Shakesp. zu hören.

Leben Sie recht wohl!

Körner.


Koester, Hans.

Geb. in Mecklenburg-Schwerin; seit seiner Verheirathung ganz in Preußen, zuerst in Breslau, dann auf seinem Landgute, später in Berlin, jetzt in Weimar lebend. Die Bühnen beider Städte haben mehrere seiner dramatischen Dichtungen zur Aufführung gebracht.

K.’s poetische Thätigkeit war immer auf große Vorwürfe gerichtet, wie schon die Titel der Stücke: Conradin — Maria Stuart — Lucia Amadei — Ulrich von Hutten — Hermann der Cherusker — der große Kurfürst &c. bekunden. In neuerer Zeit scheint er sich der Erzählung zuwenden zu wollen, wofür er mit dem in Tieck’scher Novellenform gehaltenen Buche: „Lieben und Leiden“ einen schönen Beruf entwickelt.