Als er nachstehende Blätter — (zwei Briefe, und das Bruchstück eines dritten) — an Tieck sendete, lag eine ganze Reihe erzählender Werke: Das junge Europa — Liebesbriefe — Die Schauspielerin — Das Glück — Reisenovellen — Moderne Charakteristiken — Französische Lustschlösser — Die Bandomire — Der Prätendent — Gräfin Chateaubriand &c. schon hinter ihm, und er war, den Monaldeschi beginnend, eben „mit vollen Segeln an die Bühne gegangen.“ Dadurch werden diese Briefe sehr interessant. Sie schildern in frischen Farben die mancherlei Nöthe, ja Kämpfe, welche der Theaterdichter, bevor er festen Fuß auf den Brettern gefaßt, zu überstehen hat. Deshalb auch fügen wir (unter Nr. IV.) ein Schreiben bei, welches nicht an Tieck, sondern an den Dresdener Hoftheater-Intendanten gerichtet, von Ersterem aber, als hierher gehörig, aufbewahrt worden ist.

Wie mag dem dramaturgischen Direktor des k. k. Hofburgtheaters, dem würdigen Nachfolger Schreyvogels, jetzt manchmal zu Muthe sein, wenn aus allen Gauen, wo deutsch gesprochen und geschrieben wird, ihm die Erstlinge dramatischer Muse, begleitet von hoffnungsathmenden, eindringlichen Gesuchen zugehen? Ob er da, und mit welchen Empfindungen, des Heinrich Laube gedenkt, der ähnliche Begleitschreiben seinen Erstlingen mit auf den Weg gab? Sie blieben allerdings nicht lange Erstlinge. Monaldeschi — Rokoko — Die Bernsteinhexe — Struensee — Gottsched und Gellert — Die Karlsschüler — Prinz Friedrich — reichten eines dem andern die Hand. Und wenn gleich Laube, seitdem er selbst Lenker des Burgtheaters ist, seine Gewalt meistens gebraucht, Anderer Versuche fördernd zu stützen, so zeigte er doch durch Essex — Montrose — u. s. w., daß er von Arbeiten überhäuft, eigene Produktionskraft als Dichter zu bewahren versteht. Das ist viel, doch läßt es sich mit seinem Amte als vereinbar erklären. Wie es ihm jedoch möglich wurde, an letzteres solch’ beispiellosen, bis in die kleinsten Details der Scenenproben reichenden Fleiß zu setzen, und daneben einen umfassenden historischen Roman: „Der dreißigjährige Krieg“ zu schreiben... das ist sein Geheimniß.

I.

Leipzig, Sylvesterabend.

Erlauben Sie, hochgeehrter Herr, daß ich Ihnen, glückwünschend zum neuen Jahre, meine Freude ausdrücke über das nachsichtige Urtheil, welches Sie meinem Rokoko haben angedeihen lassen. Möchten Sie ihm auch zum Geleit auf die Bühne Ihre hilfreiche Hand nicht versagen, und den von Ihnen weniger günstig angesehenen Monaldeschi an solcher Hilfe Theil nehmen lassen. Vielleicht gelänge es mir häufiger, mit dramatischer Arbeit Ihren Beifall zu gewinnen, wenn wir einen großen Mißstand mit unserm Publicum besiegt hätten. Und der ist nur langsam zu besiegen: unser Lese-Publikum und unser Schau-Publikum sind himmelweit von einander verschieden, und das letztere verlangt grobe Striche, um gereizt zu werden. In den Theaterleitungen ist nicht Fleiß und Energie genug, um einen Unterschied, der theilweise in der verschiedenen Form begründet ist und immer bestehen wird, durch scharfe und exacte Darstellung zu vermitteln und durch ein konsequentes System in der Wahl auszugleichen. So müssen wir, die wir auf den Brettern Platz greifen wollen, nach zweifacher Front hin fechten: nach unserm Lesepublicum mit feinern Interessen, und nach dem Schaupublicum mit stärkeren Mitteln. Hoffentlich giebt die Übung den Takt, der uns dann vor dem Schlendrian bewahren möge. Aufgeführt zu werden ist aber allerdings die unerläßliche Hilfe. Mann sieht erst dann, wo es fehlt. Nach bloßem Vorlesen hab’ ich Monaldeschi um ein Viertheil gestrichen, und auch in Rokoko kleine Breiten ausgemerzt, obwohl es bei diesem, welches sich enger und besser um seinen Mittelpunkt bewegt, viel schwieriger wird. Ich weiß nicht, zu welchem Resultate Sie bei Ihrer fast gleichen Vorliebe für Shakespeare und die antike Tragödie gekommen sein mögen im Betreff des Wunsches nach Einheit in Zeit und Raum. Ich habe in der Praxis unabweisbar gefunden, daß die Wirkung wie die eines Schusses in geometrischer Progression steigt, auf je geringeren Raum die Handlung zusammengedrängt wird, und ich halte es für einen unmittelbaren Nachtheil, daß gerade die derartige Ausschweifung in Shakespeare nachgeahmt wird. Dies eben macht meines Erachtens so viele Talente unpraktisch, das ist in diesem Falle unwirksam. Die antike Einheit auf Kosten aller Wahrscheinlichkeit hilft uns da freilich auch nicht viel, aber so viel mir im Augenblicke gegenwärtig, sind die spanischen Mantel- und Degen-Stücke eine vortreffliche Schule. Ich weiß nicht, ob Sie diese Rücksicht überhaupt eine pedantische schelten werden, mir ist sie eine ebenso künstlerisch nothwendige ge — — — — (Schluß fehlt.)

II.

Leipzig, 9. Novbr. 1842.

Ihr Erkranken, hochgeehrter Herr, hat uns in große Bestürzung und Besorgniß versetzt. Möchten Sie diese Zeilen zunächst als einen Ausdruck herzlicher Theilnahme und herzlicher Wünsche für Ihr Wohl ansehn, und die literarische Behelligung, welche folgt, nur als untergeordnete Veranlassung betrachten.

Hoffentlich ist Ihnen letztere doch von einigem Interesse, auch wenn Sie meine damit zusammenhängende Bitte abweisen müßten.