Geb. den 18. Aug. 1786 zu Dresden, gestorben daselbst am 3. April 1825. Als Dichter nannte er sich Isidorus Orientalis.

Guido, ein Roman (1808) — Gedichte (1810) — Arkadion, 2 Bde. (1811–12) — Erzählungen, 2 Bde. (1822.) —

Die „Überschwänglichkeit“ die an seinen dichterischen Produktionen getadelt wurde, und ihnen wie ihm selbst höhnische Angriffe zugezogen, tritt freilich auch in den Briefen hervor. Doch aus diesen wie aus jenen spricht ein volles, reines, frommes — krankes Herz.

I.

Nieder Rudelsdorf bei Görliz in der Ob.-Lausitz,
22. November 1808.

Sekendorff schreibt mir heute aus Wien, daß Sie letzteres kürzlich verlaßen, und von da nach München abgegangen sind. Wie theilnehmend ich allen Ihren Schritten folge, wie oft nach Ihnen mich erkundige, was es für eine Freude ist, wenn ich einmal irgend etwas aus Ihrem Leben höre — das wißen Sie noch nicht, dem bisher zu schreiben und meine Liebe und Verehrung zu äußern, ein Gefühl der Bescheidenheit mich abgehalten hat. Zwar sind die Geister der Edlen und Guten schon an und durch sich selbst vereint; aber wie das Wort, die himmlische Liebe auch Fleisch ward und unter uns wohnte, so sehnt sich auch die treueste Ergebenheit nach Zeichen und Näherung, nach Genuß der Gegenliebe, und es ward jenem Weibe so wohl, als sie die Füße des Meisters salben, als sie ihm sagen durfte: Herr, ich liebe dich. —

Von Sekendorff erfuhr ich, daß Sie einen Almanach herauszugeben gesonnen sind. Nehmen Sie, was inliegt, freundlich für denselben an. Da ich von dem Näheren nicht unterrichtet bin, so trug ich Bedenken, Ihnen etwas aus meinen mehr pindarisch. Poes., &c. zu senden, nicht wissend, ob es in den Character des Ganzen eingreifen würde. Das war es auch, und bescheidener Rückhalt, was mich abhält, Ihnen mehr aus meiner Poesie zu überreichen. Im Fall Sie von ihnen keinen Gebrauch machen, — oder in jedem Fall bitte ich um baldige Antwort, und wollen Sie mir Freude machen, so schreiben Sie mir auch, wo Sie künft. Sommer seyn werden. Zwar klagen Ihre Freunde über Ihre Saumseligkeit im Antworten, um desto inniger will ich bitten.

Durch wen Sie diesen Brief erhalten, weiß ich noch nicht. Ich schicke ihn an den Sächs. Gesandt. in München, da er aber doch vielleicht Ihre Addreße nicht recht erfahren kann oder auch Sie abgereißt seyn können, so habe ich zugleich einige Zeilen an Ast beigelegt, dem ich fest vertraue, daß er Ihnen den Brief zukommen laßen wird. — Auch nehmen Sie eins meiner früheren Werke darum von mir an, weil ich darin zu Ihnen sprach. Die Form ist noch total vernachläßigt. Ihre Urtheile, wie Ihr Rath werden mich sehr freuen.

Wenn Sie für den Alm., falls er wirklich erscheint, andere Beitr. von mir &c. wünschen, so werde ich gern alles thun, wie Sie es gern sehen. Ich hatte nicht Zeit, einem meiner Freunde, den Sie als Florens aus dem Ast’schen Journal kennen, zu schreiben; vielleicht eignet sich manche Nelke von ihm für Ihren Garten.

Gott sei mit Ihnen und die heilige Muse! Oft drängt es mich, niederzuknien im Schein, den Albrecht Dürers und Novalis Glorie wirft, im alten frommen Dom, dann denk’ ich Ihrer und ich lieg’ an Ihrer Seele, ich fühle Sie in mir, wie man eine Gottheit fühlt in geweihter Stunde. „Liebe denkt in sel’gen Tönen, denn Gedanken stehn zu fern.“ —