Ich danke Ihnen tausendmal für die Einkäufe auf der Auction; ich habe das Geld auf Fräul. Winkell, die noch andere Auslagen für mich hatte, angewiesen, ein Begriff, was eigentlich die Nummern in sich verbergen, fehlt mir gänzlich. Könnten Sie mir vielleicht ein Listchen darüber schicken? Ist denn das theatr. Europaeum vollständig? Den Burnet hat man freylich zu arg getrieben, aber was ist denn das wohlfeile Fischchen, das Sie mir weggefangen haben? wenn es fett und schimmernd ist, müssen Sie mir es durchaus wieder herausgeben, oder etwas anderes Erkleckliches aus Ihren Büchern dafür, z. B. die mir fehlenden Bände des Gozzi, oder den Montengor, oder sonst etwas. Meine ererbte Bibliothek ist nicht sehr groß, aber ausgezeichnet hübsch gebunden und lacht mich aus zierlichen weißen Wandglasschränken rings um mich her an, in der Mitte des holden Zimmers steht ein platter Schreibtisch mit Verzierungen und schönen Gefächern, alles von Ebenholz, und an diesem schreibe ich Ihnen. Das Wichtigste sind weitläuftige historische und geographische Werke, meist französisch, unter denen auch Burnet französisch mit schönen Kupfern. Auch habe ich meine Freude an einer Kupferbibel in 3 Bänden von Scheuchzer (was ist sie wohl werth?) und an einigen prächtigen Atlas historiques. Über Theater ist wenig da, aber die délices des Pays bas, die mir so oft in der Auction entgingen. Eine Menge mathematischer medicinischer und militärischer Bücher habe ich nebst einer franz. Clarissa Harlowa mit Chodowieckyschen Kupfern zum Verkaufen zurückgestellt; die Letztere wäre für Sie vielleicht ein herrlicher Austauschgegenstand.
Jetzt, da ich nun wieder Athem zu schöpfen anfange, denke ich auch etwas an meine lieberen Beschäftigungen kommen zu können. Vor allen Dingen quält mich die Vorrede zum 4ten Thl. Calderon, Brockhaus schreibt, er erwarte sie unverzüglich, und es ist auch nicht eine Zeile daran geschrieben. Der Brockhaus!! daß er nicht die ganze Urania mit Ihnen füllt und alles andere herauswirft, ja meine Sachen mit, die Sie noch etwas verändert finden werden! Ihr Bild kommt doch hinein? Es ist nicht anders möglich, er muß gefürchtet haben, Sie ließen ihn sitzen. Wie ist es denn mit dem spanischen Theaterbuch? Escribais, escribais! —
Sagen Sie Ihren lieben Damen alles Schöne, was nur zu sagen ist, denn wenn Sie mir auch schon jetzt wieder gut sind, wie schwer wird es seyn, diese göttlichen Gemüther zu versöhnen, — wie oft werde ich sie noch schmälen hören müssen. Meine erste Absicht war, Ihnen das runde Schächtelchen durch die liebe Gräfin überreichen zu lassen, ich wollte ihr dabey schreiben, den 31ten May sollte alles schon dort seyn! Weh, weh!
Danken Sie Ihrem trefflichen Kinde für das liebe Briefchen aufs Innigste, das sie in Gefahr ähnlicher Versuche bringt. Grüßen Sie auch Schütz, wenn er wieder kommt; ich habe seinen Brief erhalten, und erwarte ihn nun mit oder ohne meinen lieben armen Loeben bestimmt, aber je eher je lieber, denn ob ich gleich noch gar nicht weiß, wann ich nach Dresden zurückkomme, so scheint mir Ende August oder Anfang September der äusserste Termin meines Hierseyns. Sie sehen also, Theaterdirektor werde ich nicht, aber wenn ich es würde, Sie müßten mir gleich herbey, wenn wir es gleich schwerlich Beyde Recht machen dürften.
Und nun leben Sie wohl, theurer vielgeliebter Freund! betrachten Sie diesen Brief nur als einen Anfang, antworten Sie mir auch gar nicht bis ich wieder schreibe (aber dann müssen Sie ohne Barmherzigkeit antworten!) lassen Sie mir nur sagen, daß Sie mich noch lieben, wie Sie ewig und ewig lieben wird
Ihr
E. Malsburg.
Frl. Indianerin ist durch Cassel nach Hanau geeilt; da ich aber hier war, habe ich sie verfehlt.
Kalkreuth ist fort; sonst umarmen Sie ihn von mir.