I.

Berlin, 15. October 1842.

Euer Hochwohlgeboren

übersende hierbei mit bestem Danke die Übersetzung der Medea des Euripides, welche ich, Ihrem Wunsche gemäß, in der Idee einer künftigen Aufführung und namentlich einer musikalischen Behandlung der Chöre durchgelesen und wohl bedacht habe. Zu meinem Bedauern bin ich aber von Neuem zu dem Resultat gekommen, welches ich Ihnen schon mündlich anzudeuten die Ehre hatte; die Schwierigkeiten einer Darstellung dieses Stückes scheinen mir so groß, namentlich in Hinsicht der Chöre, daß ich mir die genügende Lösung dieser Aufgabe nicht zutraue, und die Composition daher nicht übernehmen kann.

Erlauben Sie mir zugleich die Versicherung, daß es mir hier wie überall die größte Freude machen würde, wenn ich mit meiner Musik zur Ausführung Ihrer Pläne nach Kräften mit beitragen könnte, und daß ich mir herzlich eine Gelegenheit wünsche, Ihnen dies durch die That, nicht blos durch Worte darzuthun.

Mit vollkommner Hochachtung

Euer Hochwohlgeboren

ergebenster

Felix Mendelssohn-Bartholdi.