Stuttgart, d. 24. Sept. 1823.
Verehrtester Herr und Freund!
Ich erlaube mir, Ihnen im Überbringer dieses Briefes den ältesten Sohn des Dr. Schott zu empfehlen, dessen Familie Sie hier kennen gelernt haben. Er reist nach Berlin, wo er als Theologe Schleyermachers Unterricht benutzen will.
Herr von Cotta wird Ihnen bereits geschrieben haben, daß er auf die Bedingungen, welche Sie so gütig waren, mir zurückzulassen, eingegangen ist, und nun bitte ich Sie, theuerster Herr Hofrath, wenn Sie sich von Ihrer Reise erholt haben, lassen Sie uns nicht die letzten seyn, an welche Sie denken werden.
Sie haben hier einen ungemein lieblichen Geruch zurückgelassen. Ihre persönliche Erscheinung hat bey denen, welche Sie längst um Ihrer Schriften willen liebten, einen Enthusiasmus erzeugt, der über dem Dichter sogar seine Werke vergaß. Kann ich Ihnen, ohne zu täppisch zu werden, auch den schönen Eindruck schildern, den Sie auf mich gemacht haben? Ihre Liebenswürdigkeit, Ihre Ruhe, Ihre Klarheit hat mich in der innersten Seele erquickt, und wenn Sie mich auch in Bezug auf andre Dichter nicht bekehrt haben, so hat doch meine Liebe zu Ihnen so viel mehr an Lebhaftigkeit gewonnen, als es Ihnen gehn würde, wenn Shakespeare selbst Sie einmal bey der Zeichnung seines Bildes überraschte. Sie selbst sind Schuld, daß ich weniger als je zu Goethes Fahnen schwören kann. Je mehr Sie mir zeigen wollen, daß ich auch an Goethe lieben müsse, was ich an Ihnen liebe, desto schärfer unterscheid ich Sie beyde.
Mehr als dieser Goethesche Streit liegt es mir auf dem Herzen, daß Sie, wie es mir wenigstens schien, einigemal Empfindlichkeit gegen die pöbelhaften Angriffe blicken ließen, die man auf Sie gemacht hat und macht. Ihnen wäre wahrlich auch der kleinste Ärger darüber weniger zu verzeihen, als jenen die ärgste Verruchtheit selbst. Sie stehen so hoch, und wenn es Sie so liebenswürdig macht, daß Sie es nicht ganz zu wissen scheinen, so fühlen Sie es wenigstens in dem Augenblick, wo sich andre so tief erniedrigen, Sie beschimpfen zu wollen.
Jakob Böhme ist durch die Schuld des saumseligen Verlegers noch immer nicht angefangen. Sobald der erste Band gedruckt ist, werden Sie ihn erhalten. Ich denke diesen Winter auch fleißig an meiner Ästhetik zu arbeiten, und bitte Sie im Voraus, daß Sie mir erlauben, Ihnen dieselbe dediciren und das Manuscript vor dem Abdruck zusenden zu dürfen, da mir an Ihrem Urtheil sehr viel liegt.
Ihren Mittheilungen für das Morgenblatt, und besonders auch für das Literaturblatt seh ich mit der größten Begierde entgegen. Es wäre mir äußerst erwünscht, wenn die belletristische Kritik in diesem Blatte mehr gehoben würde. Wissen Sie niemand, der noch dafür tauglich wäre? Ich muß dafür sorgen, daß Ihr Name nicht gar zu vereinzelt steht, daß hinter dem Mond auch einige Sterne sich sammeln. Die Dresdner Morgenzeitung war im Ganzen eine zu schlechte Folie für Ihre Edelsteine. Ich wünschte sehr, das Literaturblatt möchte Ihrer würdiger seyn.
Indem ich Ihnen die erfurchtsvollsten und herzlichsten Grüße meiner Frau und aller meiner Freunde ausrichte, bitte ich Sie zugleich, mich der Frau Gräfin und Ihrer liebenswürdigen Tochter aufs angelegentlichste zu empfehlen. Mit unwandelbarer Ergebenheit
Ihr