Hier beschäftigt man sich bereits mit Festgedanken für den erwarteten Besuch unseres Königs. Schadow wird in Bildern die Geschichte der deutschen Poesie darstellen. Mir ist das Ganze noch nicht recht klar, nur das habe ich als etwas Bestimmtes gehört, daß den Beschluß die Aufführung Ihres Gartens der Poesie machen soll. Uechtritz hatte an Bilder aus der deutschen Geschichte gedacht, jetzt aber den Plan für hier aufgegeben und beabsichtigt ein ausgeführtes Festspiel daraus zu machen, was etwa in Berlin gegeben werden könnte, gelegentlich. Der Plan hat uns Alle sehr angesprochen. Den 3ten Theil seines Buches über Düßeldorf scheint er vorläufig aufgegeben zu haben; wenigstens wünscht er einen Aufsatz über Schiller und dessen Nachfolger unter dem Titel, Beitrag zur Geschichte des deutschen Theaters, in Raumers historisches Taschenbuch zu geben, und läßt einen kleinen Aufsatz über Immermann, der für jenen bestimmt war, in den Blättern für literarische Unterhaltung drucken. Letzterer hat mir bis auf einige Einzelheiten sehr wohl gefallen.

Wenn Sie es noch nicht wissen, freut es Sie vielleicht, daß vom Münchhausen nächstens die 2te Auflage erscheint. Es wäre ein wahres Glück gewesen, wenn es I. erlebt hätte, denn es würde ihm Muth und Zutrauen zu sich und der Welt gegeben haben, was ihm noch bis zuletzt oft fehlte; nun ist es für mich auch immer eine große Freude.

Mein Töchterchen ist, so klein es ist, schon ein treues Abbild des Vaters und giebt mir unzählige Freuden, und neben allem Trüben was auch Ihre Verlassenheit in mir weckt, die einzige Aussicht in der Zukunft, an der ich mich halten kann. Möge der Himmel sie mir erhalten!

Was werden Sie zu meinem langen Briefe sagen? Böse dürfen Sie nicht über das viele Schwatzen seyn, denn Sie haben mir erlaubt, mit vollem Vertrauen zu Ihnen zu reden, und deßhalb schrieb ich weiter, als mir unter dem Schreiben wohl wurde. — Nun bitte ich nur noch, mich der Frau Gräfin und Ihrer lieben Tochter zu empfehlen, wünsche Ihnen von Herzen ein Lebewohl und bitte mir die Gesinnungen zu bewahren, die mich so sehr erfreuen.

Mit innigster Verehrung

Die Ihrige

Marianne Immermann.

II.

Düsseldorf, den 2t. Sept. 1841.

Indem ich Ihnen, mein innig verehrter Freund, beifolgend ein Exemplar des Tristan übersende, lasse ich mir das Vergnügen nicht nehmen, es mit einigen Worten zu begleiten, die Sie nöthigen, sich einen Augenblick mit mir zu beschäftigen. Das Glück, mich Ihnen nahen zu dürfen, ist mir zu lieb und bedeutsam, als daß ich eine Gelegenheit dazu unbenutzt vorüber gehen lassen könnte, und es ist keine Redensart von mir, wenn ich sage, daß ich es recht eigentlich unter die unschätzbaren Hinterlassenschaften meines geliebten Mannes rechne. Die Tage, die wir in Ihrem Hause zubrachten, sind mir unvergeßlich, und so frohe Stunden, wie ich durchlebte, wenn Sie und Immermann in ewig lebendigem Gespräch überall das Feinste und Höchste der Dinge berührten, kommen wohl für mich auf dieser Erde nicht wieder. Darum such ich mein Glück in der Erinnerung, und bin bedacht, alle ihre Bilder mir frisch vor der Seele zu erhalten; und wenn ich, wie im Gespräch mit Ihnen, mich der Segnungen bewußt werde, die nicht mit den flüchtigen Minuten verschwinden, so sind das meine besten Stunden.