Ihr Verehrer und Freund

Dr. Justinus Kerner.

d. 16ten April 30.

Dieser Brief blieb 3 Monate lang liegen, weil ich immer dachte, es seye unbescheiden von mir, Sie mit ihm zu beschweren. Inzwischen mehrten sich recht sehr die Gegner wie die Freunde der Seherin von Prevorst. Unter letztern zeichnet sich Görres hauptsächlich aus, auch der Sohn Fichtes schrieb über sie günstig. Durch die Schrift, „das Bild zu Sais,“ wird diese Frau für wahnsinnig erklärt. Das will ich gelten lassen: denn es giebt auch einen göttlichen Wahnsinn, in dessen Kreisen vor allen auch Sie leben. So mein ich es. Der Verfasser (ein junger Mann in Stuttgardt) zeigt zu seinem Lobe überall einen Brief von Ihnen. Er kennt mich nicht, sah diese Frau nie und schwatzt wie ein Blinder von der Farbe.

Von Eschenmayer erscheint in den nächsten Wochen eine eigene Schrift über die Seherin und die Einwürfe, die die Verstandesherren dem Buche machen, und das bin ich so frey, Ihnen zuzusenden, wofern Sie Sich meiner noch erinnern. Wachend und in Träumen sehr oft bei Ihnen!

Ihr Kerner.

II.

Weinsberg, d. 24ten Feb. 41.

Verehrungswürdigster!

Sie werden sich meiner wohl noch als des Wunder- und Geistersüchtigen erinnern, der Ihnen doch wenigstens einigen Spaß machte? Ich wage Ihnen hier einen jungen Landsmann zuzusenden, der aus Hegels Schule ist und an keine Geister glaubt. Er bringe Ihnen meine innigsten Grüße und die Versicherung meiner Verehrung und Liebe.