K. A. Frhr. v. Killinger.


Kleist, Maria.

Vergeblich war das Suchen nach einem Blättchen von Heinrich Kleist’s Handschrift. Damit der theure Name, für dessen lebendigen und vollen Nachklang unser Tieck so viel gethan, in diesem Buche wenigstens nicht fehle, geben wir ein Briefchen seiner Anverwandten, welches der Schreiberin nicht weniger zur Ehre gereicht wie dem Empfänger.

Auch zwei andere, auf Heinrich Kleist’s Person und Werke bezüglich, hielten wir für die Mittheilung sehr geeignet.

Von dem unglücklichsten aller großen deutschen Dichter kann nie zuviel geredet, sein Gedächtniß kann nicht oft genug gefeiert werden.

I.

? den 3ten März 1817.

Ganz wunderbar ist mir zu Muthe, indem ich heute die Feder ergreife, um an Tieck zu schreiben, an Tieck mit dem ich seit so vielen Jahren gelebt und geliebt. Mit einem mahle stehen mir eine ganze Reihe von Gefühlen und Genüssen im Geiste und im Herzen — ich weiß nicht mit welchen Worten ich einen so lieben alten Bekannten begrüßen soll? Ohnmöglich kann ich Ihnen wie einem Fremden schreiben. Sie sind ja mein alter Freund Tieck, mit dem ich ganz intim bin, mit dem ich froh, traurig, fromm, heilig war. Daß eine solche Intimität stattfinden kann, so ganz von einer Seite, ohne daß der Andere sie ahnet ist wunderbar. Noch wunderbarer, daß ein Buch den Menschen lebendiger ergreift, als alle Sterbliche die ihn umringen; mehr zu seinem Innern, aus seinem Innern spricht, als Alle die er genau kennt, und die ihn genau kennen; daß manches Buch den Menschen, der es lieset, deutlicher ausspricht, als er sich selbst auszusprechen vermag!