Lebe wohl und sorge für Deine Gesundheit und Zufriedenheit. Schreib mir bald, lieber Tieck.

Dein

ewiger Freund

W. H. Wackenroder.

VI.

Freitag, den 20ten Juli.

Mein zärtlich geliebter Tieck.

Endlich hör’ ich einmal wieder etwas von Dir. Gewiß hätt’ ich schon lange, wirklich lange schon wieder an Dich geschrieben, wenn ich nicht so viel Zerstreuungen gehabt hätte. Ich habe in der That allen meinen Verstand und meine Ueberredung, d. h. all mein Phlegma aufbieten müssen, um bey Deinem Stillschweigen, das mich so lange beunruhigt hat, nicht zu unruhig zu werden. Da ich Deine Harzreise ahndete, so war ich ungewiß, ob mein Brief Dich schon wieder in Halle antreffen würde; auch erwartete ich immer einen von Dir, heute aber am sichersten, und — ich bin inniglich froh, daß ich mich nicht getäuscht habe. Aber glaube es mir auf mein Wort ich hätte, wenn Du auf noch längere Zeit geschwiegen hättest, es doch kaum über’s Herz bringen können, Dir Vorwürfe darüber zu machen: ich hätte es wahrlich nicht gethan.

Seit Deinem letzten Briefe habe ich oft mit sehr zärtlicher Rührung und reger Empfindsamkeit an Dich gedacht; und ich bin über alles glücklich, daß Du, wie ich sehe, auch an mich noch immer mit einer Innigkeit denkst, die ich erst seit Deiner Entfernung aus Deiner Schriftsprache recht erkenne.