Ein scharfes Rescript des Kirchenraths an unsere Universität, keine Weihnachts- oder Neujahrsferien zu machen, und die noch schärfere Kälte benimmt mir von neuem die Hoffnung, Sie in diesen Tagen zu besuchen, und an mein Herz zu drücken. Nun wird es wohl vor Ostern nicht möglich seyn, Sie zu sehen, wenn Sie nicht etwa den Entschluß fassen und sich in den Wagen setzen, wozu Sie von Ihren hiesigen Freunden herzlich eingeladen sind. Zu Ostern hoffe ich auch die mir versprochene Novelle wieder in Empfang zu nehmen.

Aber was sagen Sie zu Müllners Maliçe? In den Probeblättern der Hekate, ni fallor Nr. 2, las ich in schlechten Versen über unser Taschenbuch, daß die Reisenden aus dem Merkur in dem Taschenbuch angekommen wären, und wußte nicht, was das heißen sollte. Jetzt lese ich eine noch schlechtere Anzeige des Taschenbuchs in Müllners Literaturblatt, daß diejenigen, welche es interessiren könnte, nun die Novelle: die Reisenden, die sie früher im litterarischen Merkur hätten zerstückelt lesen müssen, hier beisammen fänden. Hätten Sie nicht Lust, dieses Beispiel gründlicher Kritik, die nicht einmal liest, was sie beurtheilen will, und sich ohne Noth eine so herabsehende Miene giebt, durch den litterarischen Merkur zu rügen? „Die Gemälde“ hat er bei seiner vorjährigen Anzeigen nicht einmal genannt.

Haben Sie denn zu einem Taschenbuch: die Rheinblüthen genannt, eine Erzählung gegeben? ich habe es gehört. Hier aber ist dieses Taschenbuch, so wie das Berliner, welches ich mir besonders habe kommen lassen, um Ihre schöne Novelle zu lesen, nicht gangbar. Sonach sind Sie in diesem Jahre an Novellen sehr fruchtbar gewesen.

Aber was macht Shakespear, was Solgers Schriften, die Sie herausgeben? Brockhaus, der Verleger, ist heute zu ersten Male wieder eine Treppe herab in sein Comtoir gestiegen; er war tödlich krank. Wolf, in Berlin, der Schauspieler nehmlich, hat mir in diesen Tagen seine dramatischen Spiele zugeschickt, und ist ebenfalls wieder hergestellt. Seine Frau soll die Elisabeth in Kenilworth (eine neue Rolle für sie) trefflich darstellen.

Wagner läßt Sie grüßen, er hat nun auch den deutschen Theil des Fahrenkrügerschen Wörterbuches beendet. — Sonst gibt es in der Litteratur wenig Neues. Immermans dramatische Poesieen werden sehr gelobt; ich habe sie noch nicht gelesen. Ich bin sehr mit meiner Aesthetik und mit historisch-philosophischen Untersuchungen beschäftigt und lese dabei so viel — nehmlich Collegia — daß ich jetzt wenig zu anderm Lesen komme, und es daher gern hätte, wenn mich ein lieber theurer Freund zuweilen auf etwas aufmerksam machte, was ich nicht übersehen sollte. Doch so gut will es mir nicht werden; und hierbei fühle ich es wieder recht schmerzlich, daß wir 12 Meilen von einander getrennt sind, und trotz aller Eilposten immer noch Hindernisse genug vorhanden sind, diese Trennung aufzuheben. Mögen Sie dem Wiedersehn so sehnlich entgegensehen als ich, und mich unterdessen den Ihrigen bestens empfehlen.

Das Gedicht von Kleist für die Prof. Krug muß ich mir nun durch Briefpost leider ausbitten. Hoffentlich hat Richter nun ihre Wünsche erfüllt! Ich umarme Sie im Geist, und nenne mich stets

Ihren

treuergebenen

A. Wendt.