Der Contrast trägt jetzt dazu mächtig bei, uns stets an Ihre Seite oder Ihrem Lesetische gegenüber zu denken. Es ist nehmlich eben ein junger Mann hier, Namens Kiesewetter, Sohn des berühmten Concertmeisters in Hannover, welcher agirend aus Clavigo, Romeo, Hamlet u. s. w. — vorliest. Er verändert die Stimme, die nicht ganz fehlerfrei ist, dreht die Augen nach oben, oder sieht die Damen schmachtend an; indessen hat er es trotz aller Bemühungen, die er sich in eigner Person gegeben, doch nicht so weit bringen können, die Kosten seines Aufenthalts zu decken. Ich zweifle übrigens nicht, daß er die Keckheit besitzt, nach Dresden zu gehen, und Sie selbst, den er an einigen Orten seinen Meister nennt, zu seinen Vorlesungen einzuladen.
Doch weg von solcher Carrikatur. Der rasche, durch einen Nervenschlag oder Schlagfluß herbeigeführte Tod unserer lieben, zarten und sinnigen Clodius hat uns sehr erschüttert und betrübt. Sie haben eine aufrichtige Verehrerin verloren; — zweimal habe ich derselben Ihre kleine Novelle das Fest zu Kenelworth vorgelesen, und ich hatte sie eben zu einer Vorlesung Ihres 15. November eingeladen, als ich nach wenigen Stunden die bestürzende Nachricht Ihres Scheidens erfahren musste.
Lieber! Empfehlen Sie mich den werthen Ihrigen und vergessen Sie nicht
Ihren
ergebensten Freund
A. Wendt,
(der nächstens einige Zeilen von Ihrer Hand in
Betreff der obigen Angelegenheit erwartet.)
Wiebeking, Charlotte von.
In der vom Sohne Max verfaßten ausführlichen Lebensbeschreibung unseres C. M. v. Weber lesen wir: