„W. studierte in Berlin Naturwissenschaften, arbeitete einige Zeit beim Oberbergamte, verließ den Dienst, um der Litteratur zu leben, trat seit 1833 als Dramen- und Romanen-Dichter auf: Hermann (1833.) — Theodor (1834.), Romane. — Drei Trauerspiele (1835.) — Drei Dramen (1836.), darunter: Paulus — Beethoven. — Friedrich, Roman (1836.) — Don Juan (1840.) — Moses (1844.) — Jesus (1844.), Dramen. — Das Trauerspiel Petrus — und manches Andere.

Mit bitterer Armuth kämpfend erhielt er durch Humboldt’s und Tieck’s Verwendung die sogenannte königl. Dichterpension von 300 Thlr. — Persönliche Verbindungen hatte er, außer der mit Tieck, keine von irgend welchem Einfluß, aber bei einigen angeregten Studenten hatte seine dunkle Mystik Eingang gefunden, und durch sie lernte ich mehrere seiner Sachen im Manuskripte kennen, bis ich (K.) später bei Tieck mit ihm zusammen traf. Es war ein Mann mit früh ergrautem Haar, eckig, scheu, sonderbar in Erscheinung und Wesen; schwerfällig und jäh in Rede und Ansicht. Man erkannte in ihm den Einsiedler als Mensch wie als Dichter; vielleicht erst: „verachtet — nun Verächter!“ — Auf dem Lande bei Potsdam, in Magdeburg, zuletzt in Genthin lebte er in tiefer Einsamkeit, ein Prophet und eine Stimme in der Wüste, deren Niemand achtete; freilich kaum zu verwundern, da er auf die Welt wirken wollte, die er nicht kannte!

Er war ohne Zweifel ein tiefes, aber dunkles und schweres Talent. Indem er der Poesie durch das Christenthum einen Halt geben, sie zum Ausdrucke desselben machen wollte, irrte er darin entschieden, wenn er glaubte Dogmen und Charaktere in ihrer biblischen Gestalt einführen zu müssen. Dadurch gerieth er in die Gefahr, die Einfachheit der biblischen Ueberlieferung zu stören, ohne der Poesie zu genügen, und so verdarb er’s mit beiden.

Ein Lyriker war er sicher nicht; sein Geburtstagsgedicht an Tieck ist herzlich schlecht; eine stolpernde Reimerei confuser Anspielungen &c.“ (K.)

Dasselbe müssen wir von den andern Versen bekennen, welche sich zwischen seinen Briefen befinden. Von letzteren, deren Masse unzählbar ist (in manchem Monat ein Dutzend), haben wir wenige ausgesucht, die etwa eine Uebersicht von seinem, — gar oft durch zweifelnden und verzweifelnden Mißmuth gestörten Verhältnisse zu Tieck geben.

I.

Berlin, d. 2ten Februar 28.

Wohlgeborener,
Hochgeehrter Herr Hofrath
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Seit meiner letzten Zuschrift an Ew. Wohlgeboren verfloß abermals ein Monat, ohne daß ich mich der erbetenen Antwort erfreuen durfte. Im Ganzen sind nun die oft genannten Manuscripte fast ein Jahr in Ihren Händen; Sie bemerkten, daß sie mit Talent und Liebe verfaßt seien, und schwiegen die lange Zeit hindurch, schwiegen auf meine wiederholte dringende Bitte! Unerklärlich nach meinen Principien. Ein Mann, denk ich mir, mit Kraft und Liebe der Dramaturgie ergeben, von großem Einfluße auf Literatur und Kunst, wie er selbst wißen muß, ein berühmter Dichter, human — ein solcher, meine ich, unterrichte gern, wo er Talent wahrnahm, wo er aufrichtig, zutrauensvoll um Unterricht gebeten worden; sei auch der Kreis seiner Thätigkeit sehr groß, größer als ich ihn hier denken darf, ein Stündchen oder zwei — und so viele Monate! Wenn aber die Anerkennung dieses Talents zu früh geschah, bei näherer Würdigung nicht haltbar schien? Aber bat ich nicht um Kritik im Allgemeinen? zwei Worte hätten dann genügt, ich hätte Antwort. Doch ist jener Fall Voraussetzung schlechthin, denn weder ich weiß mich so isolirt mit meiner Weltanschauung, daß nicht, was mich ergriff und beschäftigte, auch Andere ergreifen müße, noch weiß ich, daß Ew. Wohlgeboren jene mathematische Begeisterung kennen, die nach äußeren Regeln empfindet, in Zahlen die Wege des Himmels berechnet und nur gelten läßt, was von solchem Krüppel seinen Ursprung nimmt. Das ist es ja eben, was mich bestimmte, bei Ew. Wohlgeboren Raths zu erholen, weil Sie das Maaß des tragisch Schönen nicht in einer Doctrin suchen und — doch hiervon wollt ich nicht sagen, sondern nur jene Prämiße rechtfertigen. Vielleicht waren Sie einmal in einer Lage, wie ich bei dieser Angelegenheit, vielleicht nicht, dann kann es Ihnen nach all’ den Zuschriften nicht schwer sein, sie zu denken, denken Sie an sie, und hierum bitt ich wieder.

Mit aufrichtiger Hochschätzung