Liberati’s Vater gehörte zur Brunner Linie, welche mit Wildberg noch in Lehnsverband steht. Er war verheirathet mit Johanna Bertha von Niesemeuschel aus Schlesien, war Lieutenant bei Zieten-Husaren, zog dann nach Mecklenburg, hielt ein bedeutendes Vermögen nicht zu Rathe, nahm späterhin Würtembergische Dienste und starb 1812 in Stuttgart als Obrist und Chef des Ehren-Invaliden-Bataillons. Er hinterließ zwei Söhne, deren ältester unser Z. Liberati.

Dieser ist anfänglich in preußischen Diensten, entweder beim Regiment Kunheym- oder auch bei Zieten-Husaren (?) gewesen, ist nach 1806 Mecklenburgischer Forstmeister, dann Schauspieler, 1813 wiederum Soldat, 1814/15 wiederum Schauspieler geworden, und hat sich mit Ulrike Prinzessin von Nassau, die er in Wiesbaden kennen lernte, vermählt. Selbige Ehe ist, weil der Prinzessin Vater sie desavouirte, bald wieder aufgelöst, ihm jedoch von der geschiedenen Gemahlin, nach deren Tode von ihren Erben, Pension gezahlt worden. Eine Zeitlang führte er mit Feige das Cassel’sche Theater, schied aber 1816 aus der Direktion und spielte nur als Ehrenmitglied, ohne Gage.

Nachdem Küstner das Leipziger Theater in Blüthe gebracht, fungirte Liberati als Regisseur und Schauspieler daselbst. Aus dieser Epoche, in welche seine Bestrebungen fallen, Shakspeare und Holberg auf deutschen Bühnen heimisch zu machen, stammen auch die Briefe an Tieck.

Er schloß das zweite Ehebündniß mit einer sehr hübschen Frau, die ihn nicht glücklich machte. Ueber seine Schicksale vom Zerfall des Leipziger Theaters bis in die dreißiger Jahre konnten wir nichts Näheres in Erfahrung bringen. Sicher ist, daß er um 1837 Mitdirektor der für Danzig, Elbing, Tilsit &c. konzessionirten Schauspieltruppe war. Diese Existenz drückte ihn, und sein häusliches Verhältniß erhob ihn nicht. Sobald 1839 sein Bruder gestorben und ihm wieder einiges Geld zugefallen war, benützte er diese Hilfe, sich vom Theaterwesen gänzlich loszureißen, und begab sich nach Berlin, wo er frühere mechanische und technische Studien praktisch zu verwerthen gedachte. Sein letztes Erzeugniß litterarischer Thätigkeit gilt nicht mehr Shakspeare’s Einbürgerung, sondern der Seidenraupenzucht. Die kleinen Reste aus mehrfachen Schiffbrüchen geretteten Vermögens wurden nach und nach verexperimentirt — und er entsagte dem Leben. Ein genialer, vielbegabter, durch Herzensgüte und Geist gleich ausgezeichneter Mensch ist in ihm untergegangen. —

Und so beschließt den langen Reigen wechselnder Gestalten, die in diesen Büchern an uns vorüber zogen, ein Mann der den Namen eines Helden aus dem siebenjährigen Kriege führt; des Krieges von dessen heroischen Nachklängen Ludwig Tieck’s bürgerlich-treu-preußisches Vaterhaus wiederhallte, mit denen das Kind aufwuchs. — Ein Mann, den poetisch-dunkler Drang auf die Bretter führte; nach welchen Tieck der Jüngling sich schwärmerisch gesehnt; — ein Mann, der sich in Shakspeare’s Herrlichkeit versenkte, und manche jener ewigen Schöpfungen glücklich darstellte; — ein Mann endlich, der kein Glück in Ausübung der Kunst, keinen Frieden im Streben, keine Ruhe auf Erden fand, der Ruhe in der Erde gesucht hat, Frieden im Jenseits!

I.

Leipzig, den 28sten März 1823.

Verehrter Herr Doktor!

Verzeihen Sie mir, wenn ich Sie brieflich belästige — verzeihen Sie mir es um so mehr, als Sie vielleicht durch die Nichtbeantwortung meines früheren Schreibens, worin ich Sie um Ihr gütiges Urtheil über meine Uebersetzung und Bühneneinrichtung des König Lear bat, mir andeuten wollten: daß ich Sie künftig mit ähnlichen Bitten verschonen möge? Es schmerzt mich indeß zu tief, von dem einzigen Kopfe, der den Geist Shakspears ganz ergründete, auch nicht die kleinste Belehrung darüber erhalten zu sollen: ob ich in meinen Bestrebungen, den größten dramatischen Dichter auf die jetzige Bühne zu bringen, irre, oder recht gehe? Daß Sie mir wenigstens nicht zürnen werden, wenn ich den Versuch einer ähnlichen Bitte, wie die mir früher nicht erfüllte, von neuem wage.

Sie erhalten durch meinen Freund Winkler hier Shakspears What you will, von mir für die Darstellung eingerichtet, und im Anfang zugleich nach eigner Ansicht umgeformt. Das: Warum? dieser Umformung ist vielleicht eine Kühnheit, die zu tadeln ist — doch geschah es nicht aus bloßer Laune, und um das Publikum mit einem Erzeugniß meiner Fantasie bekannt zu machen; sondern aus der Absicht: den Zuschauer allmählich auf den höchst originellen Boden zu führen, auf welchem das ganze Stück steht. Sie werden ohne Mühe erkennen, was mein, und was aus Shakspear genommen ist? mögte das Erstere Ihnen wenigstens mein Bestreben andeuten, in der Art des großen Dichters darstellen zu wollen, ohne die Charakteristik seiner poetischen Menschennaturen zu verlöschen. Könnten Sie sich entschließen, verehrter Herr Doktor, meine Arbeit mit ruhigem Sinne durchzulesen, und mir Ihr Urtheil über dieselbe, ohne alle Rücksicht unumwunden mitzutheilen, so würden Sie dadurch eine Blume auf den Weg meines Künstlerlebens streuen, die mir nie verwelken kann.