Könnte ich in Dresden seyn — könnte ich mit Ihnen den Shakspear und Holberg studiren — ich glaube: alle erlittene Kränkungen und alle vereitelte Hoffnungen in meinem bisherigen Bühnenleben, die mir einen Ekel am ganzen Schauspielwesen eingeflößt haben — alle Opfer, die ich vergebens der Kunst brachte, wären über diesem Glück mit einem Schlage vergessen, und ich beträte mit neuem Lebensmuth die Bahn, die für immer zu verlassen ich jezt mich herzlich sehne. Ich fühle es: daß die Fähigkeit in mir liegt, grade über den Geist dieser Dichter als Schauspieler manchen Aufschluß geben zu können, den wenige finden. Ich habe das als Lear und Shylock in Berlin erfahren — trotz der dortigen gerühmten Darsteller dieser Rollen — und könnte ich von Ihnen lernen, was mir noch fehlt, so würde ich mich als Repräsentant Shakspears und Holbergs kühn jeder Kritik preisstellen. Bey dem Leyerkastenwesen und der Ertödtung aller Charakteristik an der Leipziger Bühne, bleibt freylich das Beste was ich wollen kann, nur fromme Wünsche!
Sie sehen in den Ergießungen meines Herzens, verehrtester Doktor, wie ganz Ihr lieber Brief mein Inneres Ihnen aufgeschlossen hat. Denn auch ich rede zu Ihnen wie zu einem theuren Freunde, den ich sogar meine Klagen vernehmen lasse. Möchten sie sich bestimmen können, mir öfter zu schreiben und glauben wollen: daß Sie mich dadurch wahrhaft beglücken.
Wie richtig beurtheilen Sie Wilhelm! Möge die Zeit einen guten Geist über ihn bringen — der ihn jetzt leitet, führt ihn ins Verderben!
Mit der innigsten treuesten Liebe und Verehrung ganz
der Ihre
v. Zieten.
Nachschrift des Herausgebers.
Es mögen in vorliegenden Bänden mancherlei Irrthümer, jene von mir aufgestellten biographischen und litterarischen Notizen betreffend, mit unterlaufen, für welche ich einsichtsvolle Leser gebührend um Nachsicht und Entschuldigung ersuche.