Ein Ritter eilt daher, der Flüchtlinge verfolgt, sie springt auf und stürzt athemlos in seine Arme! — Es war Adalbert. —
»Adalbert! Adalbert!« ruft sie mit bebender Stimme und drückt sich fast ohne Bewußtsein an seine Brust, — »rette mich!«
»Manfred siegt!« rief er wüthend aus, »aber ein guter Engel ließ mich dich finden, meinen Muth zu stärken. — Zurück in den Kampf! — Ha! die Meutrer! — die Burg brennt!«
Er ließ sie sanft nieder, und stürzte wild hinweg.
Emma schloß die Augen, denn sie hörte noch immer die schrecklichen Worte: die Burg brennt! — Endlich blickte sie matt und schüchtern auf, — welcher Anblick! — Kühn wälzte sich eine Flamme aus der Burg himmelan, wie eine Welle im Sturm wogte sie majestätisch hin und her, und übersah mit kühnem Blicke die ganze Gegend. — Der Burggraben glühte im Widerschein, alle Wälder und Berge wankten hin und her im zitternden Flammenglanze, große Funken flogen Sternen ähnlich durch die Nacht, und sanken neben Emma im feuchten Grase verlöschend nieder! —
Im Schein sah sie die Kämpfenden gegeneinander wüthen, Arme gegen Arme in rastloser Arbeit aufgehoben; Schwerter glänzten wie fernes Wetterleuchten durch die Nacht, Trompeten und Hörner hallten wie Donner. — Ihre Augen schlossen sich müde und geblendet.
Sie öffnete sie nur mühsam nach langer Zeit, die Flamme war zurück gesunken, das Geräusch des Kampfes war verschwunden, die gräßlichste Stille lag schwer und drückend über der ganzen Natur. — Zweifel schüttelten itzt ihre Seele, eine noch schrecklichere Ungewißheit trat an die Stelle des vorigen Entsetzens. — »Gott!« rief sie lautseufzend, und im Ton der Verzweiflung.
»Emma!« seufzte es leise aus einem nahen Gebüsche mit dem ächzenden Tone eines Sterbenden. Emma bebte auf. Es rasselte im Laube. — »Mein Vater!« rief sie aus, und stürzte in die Arme Friedrichs, der verwundet hieher geflohen und niedergesunken war. —
»Wüthet noch die Flamme in der Burg meiner Väter?« fragte er mit schwacher Stimme.
»Nein!« sprach Emma, »die Flamme ist gelöscht.«