— — — — — »Endlich schien er gerührt, oder der alten Ergötzung überdrüssig, denn welches Mitleid sollte diese steinerne Brust bewohnen. — Ich will dich von deiner Kette losnehmen, rief er und neigte sich wie ein Gewitter auf mich herab, aber nur unter einer schweren Bedingung geb' ich dich frei.«

»Sprich sie aus, Gräßlicher, heult ich ihm entgegen, o sprich, nur nimm mich wieder aus dieser Höllenpein, sprich es schnell und ich will das Unmögliche möglich machen!« —

»Der Felsen bog sich auseinander und gab mich frei, voll von der wonnevollsten Empfindung der Freiheit lag ich lange ohnmächtig und ohne Bewußtsein, endlich kam mein Geist zu mir zurück, Mondal stand noch neben mir.«

»Wandre zur Welt zurück, sagte er mit fürchterlicher Stimme, und nur das gräßlichste, vor dem der Sterbliche beim Anhören zurückschaudert, kann dir meine Verzeihung erwerben. — Keine gemeine und leichte That söhnt dich mit mir aus, wohlfeil kannst du dich nicht loskaufen. Itzt versuche deine Kraft; nur ein Sohn kann dich befreien, der, ohne vom Wahnsinn umhergejagt zu werden, seinen eignen geliebten Vater dem Tode übergiebt. Vollendest du diese Arbeit nicht, so will ich Quaalen für dich ersinnen, die im Augenblick dich zermalmen und mit noch gräßlichern Schmerzen dich wieder in's Leben zurückreissen, alle meine Kunst will ich dann aufbieten und meinen ganzen Scharfsinn an dir in Thätigkeit setzen. Ungestraft soll ein Mensch meiner nicht spotten dürfen. — Geh zurück und lies dir einen Sterblichen aus, der dich löse; nach zwanzig Jahren erwart' ich deine Rechenschaft.«

Ich ging. — Für Selim, sprach ich, habe ich gelitten, er soll meine Quaalen bezahlen. — »Und dort Nadir,« rief Omar itzt mit lauter Stimme, — »dort liegt mein Unterpfand!«

Omar hielt ein und stand in tiefen Gedanken. Schauder und Erstaunen hatten bis itzt meine Zunge gelähmt, ich fühlte mich von Omar mit tausend Armen zurückgerissen. — Dort unter jener Palme? rief ich nach langem Stillschweigen aus. —

»Ja,« antwortete Omar, »er bezahlt die große Schuld, auf ihn bin ich von Mondal angewiesen, er ist meine Speise, an der ich meine Rache sättige.«

Ich fuhr zurück und wollte auf dich zueilen, dich zu wecken und dir alles zu sagen. — Unglücklicher! erwache! rief ich mit lauter Stimme, du schläfst und siehst den Felsen nicht, der über deinem Haupte zusammenstürzen will!

»Nadir! mein Freund!« schrie Omar, — »o hab' ich mich an der Menschheit wieder geirrt? Ich hoffte auf dein erquickendes Mitleiden, dein Bedauern wäre mir ein frischer Sonnenstrahl gewesen, — und du willst deinen Omar zu unendlichen Martern zurücksenden? Ist dir dieser Unbekannte mehr als dein Freund?« —