Emma suchte ihn an seine Kindheit zu erinnern, aber der Tannenhäuser ließ sich nicht überreden. So reiste er schnell ab, um in kurzer Zeit in Rom vom Pabste Absolution zu erhalten.
Friedrich und Emma sprachen noch oft über den seltsamen Pilgrim. Einige Monden waren verflossen, als der Tannenhäuser bleich und abgezehrt, in zerrissenen Wallfahrtskleidern und barfuß in Friedrichs Gemach trat, indem dieser noch schlief. Er küßte ihn auf den Mund und sagte dann schnell die Worte: der heilige Vater will und kann mir nicht vergeben, ich muß in meinen alten Wohnsitz zurück. Hierauf entfernte er sich eilig.
Friedrich ermunterte sich, der unglückliche Pilger war schon verschwunden. Er ging nach dem Zimmer seiner Gattin, und die Weiber stürzten ihm mit Geheul entgegen; der Tannenhäuser war hier früh am Tage herein gedrungen und hatte die Worte gesagt: diese soll mich nicht in meinem Laufe stören! Man fand Emma ermordet.
Noch konnte sich Friedrich nicht besinnen, als es ihn wie Entsetzen befiel; er konnte nicht ruhn, er rannte ins Freie. Man wollte ihn zurück halten, aber er erzählte, wie ihm der Pilgrim einen Kuß auf die Lippen gegeben habe, und wie dieser Kuß ihn brenne, bis er jenen wieder gefunden. So rannte er in unbegreiflicher Eile fort, den wunderlichen Berg und den Tannenhäuser zu suchen, und man sah ihn seitdem nicht mehr. Die Leute sagten, wer einen Kuß von einem aus dem Berge bekommen, der könne der Lockung nicht widerstehn, die ihn auch mit Zaubergewalt in die unterirdischen Klüfte reiße. —
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Alle waren nach geendigter Erzählung still und in sich gekehrt, worauf Manfred sagte: ohne alle Vorbereitung und einleitende Vorrede will ich sogleich die Vorlesung meines Werkes beginnen, das, wie ich wohl nicht erst zu versichern brauche, Original und eigne Erfindung ist. Da unsre schöne Clara auf die Originalität so viel giebt, so hoffe ich, daß sie auch diesem Mährchen ihren Beifall nicht wird versagen können. Er las hierauf folgende Erzählung.
Der Runenberg.
1802.
Ein junger Jäger saß im innersten Gebirge nachdenkend bei einem Vogelheerde, indem das Rauschen der Gewässer und des Waldes in der Einsamkeit tönte. Er bedachte sein Schicksal, wie er so jung sei, und Vater und Mutter, die wohlbekannte Heimath, und alle Befreundeten seines Dorfes verlassen hatte, um eine fremde Umgebung zu suchen, um sich aus dem Kreise der wiederkehrenden Gewöhnlichkeit zu entfernen, und er blickte mit einer Art von Verwunderung auf, daß er sich nun in diesem Thale, in dieser Beschäftigung wieder fand. Große Wolken zogen durch den Himmel und verloren sich hinter den Bergen, Vögel sangen aus den Gebüschen und ein Wiederschall antwortete ihnen. Er stieg langsam den Berg hinunter, und setzte sich an den Rand eines Baches nieder, der über vorragendes Gestein schäumend murmelte. Er hörte auf die wechselnde Melodie des Wassers, und es schien, als wenn ihm die Wogen in unverständlichen Worten tausend Dinge sagten, die ihm so wichtig waren, und er mußte sich innig betrüben, daß er ihre Reden nicht verstehen konnte. Wieder sah er dann umher und ihm dünkte, er sei froh und glücklich; so faßte er wieder neuen Muth und sang mit lauter Stimme einen Jägergesang.
Froh und lustig zwischen Steinen