Schmeckt mir doch Essen und Wein,
Morgen ist lange nicht heut,
Sterben hat doch seine Zeit,
Jedermann thut es ja leid,
Stirbt doch auch mancher noch heut.
Der König sagte: Du denkst Dich wohl vielleicht vom Galgen los zu singen, aber darin sollst Du Dich verrechnen, und sogleich ließ er ihn in einen festen Kerker führen und in Ketten legen und viel Eisen an die Füße binden, damit er durchaus nicht entlaufen könne. Gebt Ihr mich frei? sagte Malegys; gewiß nicht, antwortete der König. Nun, so gebt nur gut auf mich Acht, redete darauf der Schalk, denn um Mitternacht denke ich Euch zu entlaufen. Damit wird es nun wohl keine Noth haben, sagte der König und ließ die festen eisernen Thüren doppelt zuschließen, und die Genossen mußten mit bloßen Schwertern die Nacht hindurch vor dem Gefängnisse Wache halten; meinte der König, er solle ihm nun gewiß nicht entrinnen.
Aber um Mitternacht schüttelte Malegys die Schlösser von sich und die Eisen fielen ihm von den Füßen; darauf machte er durch seine Kunst die Schlösser und die eisernen Thüren auf und machte, daß die Genossen in einen festen Schlaf fielen und einer über dem andern lag. Worauf er ihre Schwerter und vieles kostbares Geräthe mit sich nahm und so schwer beladen nach Montalban eilte. Reinold war sehr erfreut, daß er die zwölf kostbarsten Schwerter in seiner Gewalt habe.
Am Morgen wollte König Carl den Malegys zum Tode führen lassen, stand deshalb ziemlich früh auf. Da fand er die Genossen schlafend, wie einer über dem andern lag, auch waren ihnen die Schwerter gestohlen und alle Thüren offen, und kein Malegys im Kerker, aber die Ketten und das Eisen war drin geblieben, worauf König Carl sehr erboßt wurde und einen Eid that, er wolle Montalban belagern und mit eigner Hand die Schwerter erobern.
Achtzehntes Bild.
Montalban belagert; Frau Aya schließt einen Frieden.
König Carl brachte nun eine große Macht zusammen und zog mit allen seinen Genossen vor Montalban und hielt es belagert. Roland mußte hineingehn und die Festung auffodern, daß sie sich auf Gnade und Ungnade ergeben solle; aber Reinold wollte das nicht thun, sich aber ergeben, wenn König Carl ihm Verzeihung und Sicherheit verspräche. Das aber wollte König Carl wieder nicht eingehn, und so dauerte der Krieg wieder einige Jahre hintereinander, und ward auf eine blutige Art fortgeführt, so daß auf beiden Seiten viele Leute todt blieben.