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Ehe der Graf in das Schauspiel ging, nahm er noch einmal den alten Italiener einsam vor und sagte: Ihr hättet neulich fast Unglück gestiftet, alter Thor, reiset nun, wozu ich Euch ausgestattet habe, in Eure Heimath zurück, lebt dort ruhig, und Ihr werdet richtig Eure Pension ausgezahlt erhalten, die Euer Alter froh und sorgenlos machen kann.
Eccellenza, antwortete der Verwirrte, seyn die Großmuth selbst: bitte auch auf Knieen um Pardon, daß den Schwiegervater habe prügeln wollen, den alten boshaften Hortensio, der alle Musik ruinirt. Ich hatte lange draußen gelauert, und war im Wald vor Müdigkeit und Chagrin eingeschlafen, unterdessen er auf und davon. Untersuche alle Dörfer dort, komme müde und matt zurück, da rennt er über die Straße: Herr Graf, da zog es mich so allgewaltig, ich mußte losprügeln, und wenn’s mein leiblicher Vater gewesen wäre.
Als Julie sich in der schöngesetzten Parthie zeigte, und in vollen Tönen so sicher ausstrahlte, war das Entzücken des Publikums allgemein. Die Zeichen des Mißfallens, die einige Freunde der eigensinnigen Sängerin wollten hören lassen, mußten beschämt verstummen. Als die große Arie gesungen war, entstand ein so lautes Beifallrufen, ein solches Jauchzen und Geräusch, daß Musik und Stück inne hielt. Als es ruhiger war, hörte man eine laut heisere Stimme, die vom Parterre herauf rief: taugt nix! gar nix! miserable Pfuscherei, kein Vortrag: ist nur Aberwitz und deutsche Seelenmanier des verrückten Herrn Hortensio! Es war der alte Italiener, der sich noch einmal vernehmen ließ, aber genöthigt wurde, das Theater zu verlassen.
Noch niemals hatte in dieser Stadt eine Oper so großes Glück gemacht, der Kapellmeister war beseligt, der Vater glücklich, der Graf entzückt, der Laie in frühere Jahre versetzt, und der Enthusiast, was die Uebrigen freute, ohne Worte.
Bald darauf war die Vermählung der Glücklichen. Dann zog der Graf auf seine großen Güter; alte Musik, die Compositionen Hortensio’s, Opern wurden in seinen Sälen gegeben, und die abwesenden Freunde hörten in Briefen nur von der ungetrübten Freude dieser auf so wunderliche Art Vereinigten.
Anmerkungen zur Transkription
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Die variierende Schreibweise des Originales wurde weitgehend beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben, wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
- ... von oben in den Saal herabschaute, die durch das Ge- ...
... von oben in den Saal herabschaute, die durch das [Geschrei] ... - ... häufig haben wir die bösen Folgen der Zornes, der Trunkenheit, ...
... häufig haben wir die bösen Folgen [des] Zornes, der Trunkenheit, ... - ... Gabe des Unsichtbare schenken kann; und wehe dem Verschwender, ...
... Gabe [das] Unsichtbare schenken kann; und wehe dem Verschwender, ... - ... und seine Gabe wird so verkannt, so wenig gewürdiget, ...
... und [keine] Gabe wird so verkannt, so wenig gewürdiget, ... - ... und klingt in unserm Giste zusammen! ...
... und klingt in unserm [Geiste] zusammen! ... - ... Schachspieler, Melchior, der Baukünstler, ja Alle mi ...
... Schachspieler, Melchior, der Baukünstler, ja Alle [im] ... - ... thöricht im Haupte? Wissen Sie, unbekanter Freund, was ...
... thöricht im Haupte? Wissen Sie, [unbekannter] Freund, was ...