„„Nur keine Quängeleien! rief der alte Mann; machen Sie nicht, daß ich härter seyn muß, als ich von Natur bin; denn das ist mein Elend, daß der Teufel mir so ein breiweiches Herz eingesetzt hat, daß ich eigentlich ein altes Weib hätte werden müssen. Nun, lieber Herr Graf, wir werden uns schon noch verstehen lernen.““

„Graf? rief der Baron; also doch wenigstens eine Standeserhöhung.“ — Er war nach diesem Worte plötzlich viel heitrer geworden; die Beklemmung, die ihn drückte, schien ziemlich verschwunden.

„„Ja, Graf, nicht anders, fuhr der Alte fort; ja, mein junger Herr, man weiß hier mehr von Ihnen, als Sie begreifen können.““

„Nur noch eine Frage, dann will ich schweigen, sagte der Baron. — Bin ich etwa hier, wegen des Verhältnisses, das vor zwei Jahren die Baronesse“ —

„„Still! rief zornig der Alte; das ist es ja eben; an Liebe müssen Sie hier gar nicht denken, so wie Sie auf diese Passion gerathen, müssen gleich Anstalten getroffen werden; weder Baronesse, noch Gräfin, noch Fräulein, selbst das Wort Frauenzimmer muß nicht von Ihren Lippen gehört werden! Nun geben Sie mir die Hand, daß ich Sie noch einmal bewillkomme. Ich hoffe also, Sie werden uns keine Schande machen.““

Er hielt die Hand des Barons lange in der seinigen eingeschlossen, drückte sie, schob seine Finger hinauf, fast als wenn er den Puls fühlen wollte, sah dem jungen Mann noch einmal scharf in die Augen, und entfernte sich dann schnell nach dieser sonderbaren Begrüßung.

Nach einiger Zeit erschien der kleine freundliche Mann, den man den Herrn Friedrich nannte. Nun, sagte dieser, es ist ja gut abgelaufen; unser melancholischer Gebieter ist ja mit Ihnen zufrieden, er meint, es würde schon werden.

Aber, wo bin ich nur? fragte der Baron.

Der Kleine legte mit einer sehr listigen Miene den Finger auf den Mund, kräuselte die Lippen, zog die schmalen Schultern bis zu den Ohren, und sagte dann ganz leise: so lange Sie noch bloß auf Ihr Zimmer eingeschränkt sind, darf ich nichts Bestimmtes mit Ihnen sprechen; aber wenn Sie erst einmal herunter gekommen sind, dann wird Ihnen nichts mehr Geheimniß bleiben.

Wer sind Sie, fragte der Baron eifrig, und wer ist der Mann, der mich heute besuchte?