Eduard sagte: aber willst Du denn nicht auch noch ein rechtlicher Mann werden? Es ist doch die höchste Zeit.
Mein junger Bekehrer, rief der Alte, ich bin es längst; Du verstehst das Ding nicht, auch bist Du mit Deinem heißen Anlauf noch nicht durch. Stehst Du am Ziel, und bist glücklich allen Klippen, Halseisen, Leuchtpfählen vorüber, dann winke mir nur dreist, und ich steure Dir vielleicht nach. Bis dahin laß mich ungeschoren.
So trennt sich also unsre Laufbahn, sagte Eduard, indem er ihn wieder freundlich anblickte; ich habe viel versäumt, aber doch noch nicht Alles, mir bleibt noch etwas von meinem Vermögen, mein Haus. Hier will ich mich einfach einrichten, und beim Prinzen, der binnen Kurzem hier ankommen wird, eine Stelle als Secretair oder Bibliothekar suchen, vielleicht reise ich mit ihm; vielleicht, daß anderswo ein Glück — oder, wenn das nicht, so beschränke ich mich hier, und suche Arbeit und Beschäftigung in meiner Vaterstadt.
Und wann soll das Tugendleben losgehen? fragte der Alte mit grinsendem Lachen.
Gleich, sagte der Jüngling, morgen, heut, diese Stunde!
Narrenspossen! sagte der Maler und schüttelte den greisen Kopf; zu allen guten Dingen muß man sich Zeit lassen, sich vorbereiten, einen Anlauf nehmen, die alte Periode mit einer Feierlichkeit beschließen und die neue eben so beginnen. Das war eine herrliche Sitte, daß in manchen Gegenden unsere Vorfahren das Carneval mit rechter ächter Ausgelassenheit zu Grabe trugen, daß sie zuletzt noch einmal recht toll aufjubelten und sich in der Lust übernahmen, um nachher ungestört und ganz ohne Gewissensskrupel fromm seyn zu können. Laß uns der verehrlichen Sitte nachfolgen; Brüderchen, sieh, ich bin Dir so gut, gieb uns und Deinen Launen noch einmal so einen rechten ausgesuchten Weinschmaus, so einen hohen Valet- und Abschied-Hymnus, daß wir, besonders ich, Deiner gedenken; laß uns beim besten Wein bis in die tiefe Nacht hinein jubeln, dann gehst Du rechts ab zur Tugend und Mäßigkeit, und wir andern bleiben links, wo wir sind.
Schlemmer! sagte Eduard lächelnd: wenn Du nur einen Vorwand findest, Dich zu betrinken, so ist Dir Alles recht. Es sei also am heiligen Dreikönigs-Abend.
Da ist ja noch vier Tage hin, seufzte der Alte, indem er den letzten Rest ausschlürfte, und sich dann schweigend entfernte.
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Wir werden heut eine kleine Tischgesellschaft haben, sagte der Rath Walther zu seiner Tochter.