Was? rief Walther aus; ich ein Rasender?

Sehn Sie nur, sagte der Pfarrer gesetzt, wie ihm die Augen wie zwei Feuerräder im Kopfe herum gehn! Er ist toll; wir erkennen ihn Alle dafür an.

Ja, schrieen die Musikanten, und am lautesten der Graf: es ist der tolle Mensch, der schon seit acht Tagen hier herum läuft.

Geben Sie Acht, was Sie thun, sagte der Rath etwas besänftigt; ich wollte eben nach der Stadt; ich bekleide dort jetzt die Stelle des Gerichtspräsidenten.

Vor Hochmuth ist er übergeschnappt, rief der Pfarrer; allons! fort mit ihm! — Fort mit ihm, schrie der ganze Haufe. Die Reiter hatten schon ein drittes, lediges Pferd herbei geschafft; Walther ward hinauf gepackt, und ehe er noch sagen konnte, daß sein Wagen vor dem Dorfe halte, trabten seine Begleiter mit ihm fort: denn das Singen und Schreien der Menge, die betäubende Musik, und die Glocken, welche die Ceremonie einläuteten, machten für jetzt jede Erörterung unmöglich. Walther mußte gezwungen den Weg zur neuen Behausung seines Freundes antreten; der Pfarrer aber schleppte als Sieger seinen mühsam errungenen Schwiegersohn in die Kirche, mit dem Vorsatz, sich späterhin lieber jeder Verantwortung zu unterziehn, als das Horoskop Lügen zu strafen!

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Der neue Director Anselm hatte sich indessen um seinen kranken Collegen bemüht, und es war ihm auch gelungen, den alten Mann wieder ziemlich zu beruhigen. Dieser sah seinen Zustand ein, und fühlte sich beschämt, daß er so leicht jenem Gelüste nachgegeben, welches ihm noch kürzlich der Prediger als so gefährlich geschildert hatte. Er besaß in der Nähe ein Landhaus, auf welches er sich verfügte, und Anselm sah ihn gern abreisen, weil er überzeugt war, daß die schnell erzeugte Unpäßlichkeit in einigen Tagen auf immer verschwinden müßte.

Jetzt ward eine Gesellschaft von Reisenden gemeldet, die das Haus besehn wollten. Anselm ging ihnen entgegen, sie zu bewillkommen, und zugleich zu entschuldigen, daß ihre Neugier sich diesmal mit einem einzigen Vernünftigen begnügen müsse. Voran in den Saal trat ein langer alter Herr, dem die Uebrigen große Verehrung bezeigten; er führte an seinem Arm ein phantastisch geschmücktes Frauenzimmer, die dem Arzte bekannt schien, obwohl er sich ihrer nicht gleich erinnern konnte. Ein breitschultriger junger Mann folgte, und als letzte Begleiterin schlich ein blasses, krankes Mädchen nach, die Strickkorb und Tuch ihrer lachenden und übermüthigen Gebieterin demüthig trug.

Wir kommen, sagte der angesehene Mann, Ihre Anstalt zu betrachten; meine junge Gemahlin hat dergleichen noch niemals gesehn, und der Bruder meiner Frau hat noch andere philosophische und künstlerische Absichten bei dieser Reise.

Sind die Narren aber auch nicht fürchterlich? fragte die junge Dame; ist man nicht auch in Gefahr angesteckt zu werden?