Ich denke bisweilen jener Männer, die in den Volksüberlieferungen weiterleben müßten und die doch beinahe vergessen sind, der Reisenden, die in unbekannten Ländern geographische Entdeckungen gemacht, die lange Jahre hindurch täglich ihr Leben aufs Spiel gesetzt, die dem Handel ihres Landes fruchtbare Zonen zur Ausnutzung gewonnen, der heimischen Industrie weite Ausfuhrgebiete erschlossen haben. Und ich gedenke ihrer — die Namen brennen mir auf den Lippen — und ihrer Rückkehr in die Heimat.
Wenige Fachmänner empfangen sie, wenige Zeitungen sprechen von ihnen und vielleicht nur, um ein herbes Urteil über sie zu fällen; Schweigen umhüllt sie. Manchen hat diese Nichtbeachtung seitens des Publikums, dieses bittere Schweigen der Menschheit, für die sie arbeiteten und litten, getötet!
Uns, die wir so viel Kleineres vollbracht haben, erwartete allgemeiner Beifall, erwartete die Genugtuung, einen Augenblick lang die Begeisterung der großen Metropolen der Welt, der betriebsamen Städte, der stillen Flecken in ganz Europa erregt zu haben!
Die Gründe dafür sind verwickelter Art. Es kommt dabei in Betracht die Neuheit des benutzten Gefährtes, seine wachsende wirtschaftliche und soziale Bedeutung; es kommt in Betracht die Länge des Weges, der in so kurzer Zeit und inmitten von Schwierigkeiten zurückgelegt worden war, die man zum ersten Male zu überwinden hatte; es kommt in Betracht die glückliche Lösung der technischen Probleme und die faszinierende Anziehungskraft jenes Landes Asien, aus dem wir vielleicht stammen und das uns doch so fremd ist. Es kommen ferner in Betracht die beiden Endpunkte der Reise.
Am Punkte der Abfahrt die geheimnisvolle Hauptstadt des rätselhaften Reiches, aus dem das Geräusch des Lebens wegen der räumlichen Entfernung und des Abstandes im Denken nur gedämpft zu uns herüberklingt; am Endpunkt der lauteste Resonanzboden der Welt, Paris, von wo jeder, auch der leiseste Hauch des Lebens sich verstärkt und in tausendfachem Echo vervielfältigt über die ganze Erde verbreitet.
Das Geheimnis des „Warum“ liegt zum Teil darin, aber vor allem — Sie selbst haben es, glaube ich, ausgesprochen — liegt es in dem Metalldraht, der uns auf dem ganzen Wege begleitete und der Tag für Tag Nachrichten über uns an die Presse übermittelte, die sie weiterverbreitete.
Der Telegraph und die Presse, sie sind die unmittelbare Ursache der Volkstümlichkeit, deren sich unser Unternehmen zu erfreuen hatte.
Diese beiden sind es, die Ihre spannende Darstellung überallhin verbreitet haben, die den eintönigen und für uns nur allzu häufig höchst verdrießlichen Zwischenfällen der Reise Interesse verlieh. Bei peinlichster Wahrheitsliebe gegenüber den Tatsachen haben Sie es doch verstanden, sie durch die lebhafte Schilderung des Milieus in das rechte Licht zu setzen, ihnen den gebührenden Platz im Gemälde des Ganzen anzuweisen. Und das Publikum hat die Poesie gefühlt, die die einzelnen Kapitel dieser unserer modernsten Odyssee erfüllt.
Niemand wird jedoch beim Lesen Ihres Buches ahnen, welchen Aufwand an Willensstärke und moralischer Kraft es Sie gekostet hat. Ich, der ich die Ehre und die Freude hatte, der Gefährte Ihrer zwei Monate andauernden Kraftleistung zu sein, starker geistiger Anspannung inmitten niederdrückender materieller Widerwärtigkeiten, ich allein kann es bezeugen!
Und seit jenen zwei Monaten erfüllt mich ein Gefühl lebhafter Bewunderung und tiefer Freundschaft für Sie, das der Zeit trotzen soll!