Versuch, die im Moraste versunkene „Itala“ zu heben.

„Wir wollen uns Tee kochen“, sagte der Fürst nach langem Schweigen.

Diese wenigen Worte bedeuteten nichts anderes, als daß wir die Rettung aufgaben. Tee bereiten hieß, das Automobil sich selbst überlassen, unsere Bemühungen für zwecklos erklären.

Ein in der Nähe vorüberfließender Bach lieferte uns das Wasser, das wir über der Flamme der Lötlampe zum Sieden brachten. Wir bereiteten einen Topf Tee und füllten uns die Gläser. Auf der Erde ausgestreckt, in Hemdärmeln, schweißtriefend, von Schmutz starrend, tranken wir in kleinen Schlucken und aßen dazu gedankenlos einige Stücke Biskuit. Wir hatten uns das Essen während des Tages abgewöhnt; unterwegs konnten wir uns nicht entschließen, zum Zwecke des Essens haltzumachen; wir hatten nur das eine Verlangen, an unseren Lagerplatz zu gelangen, und der ungestillte Appetit war ein weiterer Ansporn, keine Zeit zu verlieren. Jetzt jedoch durften wir unseren Hunger stillen.

Schließlich beschlossen wir zu handeln. Einer von uns sollte bei dem Automobil ein Lager aufschlagen und zurückbleiben, die beiden andern sollten sich auf die Straße nach Urga machen, Leute, Hölzer, Pferde holen und möglichst bald wieder zurückkehren. Auf die Ankunft einer Karawane hofften wir nicht; die Straße war verlassen.

Aber siehe da! In diesem Augenblick zeigte sich zwischen den hohen Sträuchern in weiter Ferne doch eine Karawane! Eine Reihe mit Pferden bespannter Wagen, und über den Pferden erkannten wir die „Duga“, den charakteristischen Holzbogen des russischen Pferdegeschirrs. Es war eine Reihe Telegas.

„Russen, es sind Russen!“ rief ich und stürzte mit Windeseile auf sie zu, indem ich über die Sträucher sprang, in den Morast versank, den Leuten zurief und lebhaft mit den Armen gestikulierte, um mich bemerkbar zu machen.

Russen erschienen uns in diesem Augenblicke beinahe als Landsleute. Mitten in der Mongolei fühlten wir uns mit ihnen stammverwandt und eng verbunden. Ihr Erscheinen bedeutete unsere Rettung. Als ich in ihrer Nähe angelangt war, bemerkte ich, daß auf den Telegas Leute saßen, die zwar ähnlich wie Russen gekleidet waren, aber mongolische Gesichtszüge hatten: es waren Burjaten. Ich befand mich einem burjatischen Stamme gegenüber, der mit Frauen und Kindern auf der Wanderung begriffen war. Der Anführer ritt voran; er war mit einem roten Hemd bekleidet und trug auf dem Kopfe eine Mütze von tatarischem Schnitt. Er hatte kein allzu vertrauenerweckendes Gesicht. Ich bat ihn, mir zu folgen, und er tat dies, nachdem er seinem Stamme befohlen hatte, haltzumachen.