„Wir alle sind imstande, eine Brücke zu bauen. Es gibt Menschen und Holz im Überfluß.“

„Wieviel Zeit würde die Arbeit in Anspruch nehmen?“

„Mindestens acht Tage und sechs Mann.“

Wir begannen den Plan zu erörtern. Eine Brücke wieder herzustellen, war verlockend. Acht Tage zu warten, ließ sich ertragen. Aber wir würden eine eingestürzte Brücke über die Pereemma, eine über die Aososa, eine dritte über die Vidrina antreffen, ohne die kleineren zu zählen. Wir konnten uns doch nicht daran machen, alle eingestürzten Brücken des Russischen Reiches wieder herzustellen? Dies würde über das Programm einer Automobilfahrt hinausgehen.

Mußten wir also den Plan ausgeben, die Reise um den Baikalsee herum fortzusetzen? O nein, noch nicht! Ein neuer Plan tauchte in uns auf. Über jene Flüsse führten doch noch andere Brücken, und zwar ansehnliche: die Eisenbahnbrücken. Wäre es nicht möglich, auf den Bahnkörper zu gelangen, die Schienen entlang zu fahren, die Brücken zu überschreiten und dann jenseits der unpassierbaren Flüsse wieder auf die alte Heerstraße hinunterzusteigen? Wir hatten eben eine Station in der Nähe gesehen. Warum sollten wir nicht den Versuch machen?

Wir brachen also auf, erfüllt von neuer Hoffnung, und langten auf der Station an, die wir durch die Bäume hindurch erblickt hatten. Sie schien verlassen zu sein. Wir traten in den kleinen Wartesaal, an dessen Wänden große Tafeln mit Abbildungen hingen; sie zeigten, in welcher Weise man Verwundeten die erste Hilfe leisten müsse, und waren hier von der Kriegszeit her zurückgeblieben, als alle Stationen voller Truppen lagen. Im Saale befand sich niemand; die Türen waren verschlossen. Nachdem wir uns genügend über die erste dringende Pflege der Verwundeten unterrichtet hatten, begannen wir zu rufen, in der Erwartung, daß jemand erscheinen werde. Und siehe da, es erschien ein Gendarm!

Im Hofe des Starosten von Myssowaja.

Der Gendarm fragte nach unseren Pässen, Dokumente, die gänzlich unnötig waren, wenn man ein Schreiben des Generalpolizeidirektors des Kaiserreichs in Händen hat. Dieses Schreiben händigten wir dem Beamten der öffentlichen Sicherheit ein. Es war ein ausgezeichneter Bursche, dieser Gorodowoi. Er brauchte zwar etwas viel Zeit, um das Schreiben Silbe für Silbe zu lesen, aber schließlich begriff er. Er begriff und wurde unser Freund. Wir ahnten damals nicht, daß er einige Tage später für uns von geradezu unbezahlbarem Werte sein sollte.

Als wir dem Gendarmen unseren Wunsch, die Brücken benutzen zu dürfen, mitgeteilt hatten, erwiderte der Wackere: