„Auf die Maschine! Auf die Maschine!“ riefen wir.

Muschiks auf der Überfahrt.

Wir empfanden weder Müdigkeit noch Verdrießlichkeit mehr. Alles war vergessen: „Auf die Maschine!“ Bald darauf entfaltete sich das prächtige Panorama von Nischnij-Nowgorod zu unseren Füßen. Von Kasan aus hatten wir 447 Kilometer zurückgelegt. Es war spät, als wir in die breiten Straßen der alten russischen Hauptstadt einbogen, die die eigentliche Wiege des ungeheueren Reiches ist. Die elf Türme des Kremls, die hoch über die Stadt emporragen, waren noch von der untergehenden Sonne beleuchtet; sie blitzten stolz über die goldenen Kuppeln und weißen Türme hinweg. Mit einem Gefühl des Stolzes betrachteten wir jene elf Beherrscher der Stadt, bei der Erinnerung daran, daß sie etwas von italienischem Wesen an sich tragen; sie wurden von einem italienischen Architekten, Pietro Frasiano, umgebaut, als der Kreml seinen kriegerischen Charakter ablegte und sich zu verschönern begann. Um jene Festung herum hatten sich die Heere gebildet, die Kasan den Tataren entrissen; später bildete sich hier das Heer, das die Polen aus Moskau verjagte. Nischnij-Nowgorod muß dem Slawentum heilig erscheinen.

Wir waren kaum angelangt, als uns auch schon eine Einladung übermittelt wurde. Einige angesehene Bürger, unter ihnen der Gouverneur, gaben uns zu Ehren ein Bankett in einem großen Garten. Die Luft war mild, der Himmel heiter. Wir sahen die Wolga an der Mündung der Oka im fahlen Lichte des Abends zu unseren Füßen breit dahinströmen, übersät von Myriaden von Lichtern an Bord der ankernden Schiffe, gleich einer sich auf der Erde hinziehenden Milchstraße. Während des Banketts wurde ich abgerufen.

„Sie haben ein Telegramm abgesandt?“ fragte der behandschuhte Kellner.

„Jawohl, vor zwei Stunden.“

„Das Telegraphenamt läßt sagen, daß es das Telegramm nicht befördern könne ... Wenn Sie telephonieren wollen?“