Um 11 Uhr öffnet sich unvermutet das leuchtende Rheintal vor uns. Funkelnd flutet der mächtige, zauberhafte Strom in Schlangenwindungen dahin; an seinen Ufern erhebt sich ein Wald von Spitzen: es ist Köln, überragt von den riesigen spitzen Doppeltürmen seines Doms.

In Köln ziehen wir mit einem langen Ehrengeleite von Automobilen ein. Wir überschreiten den rasch dahinströmenden, klaren Rhein auf der Schiffsbrücke und werden nach dem Kasino des Kaiserlichen Automobilklubs geleitet, wo wir ein durch zahlreiche Trinksprüche gewürztes luxuriöses Frühstück vorfinden. Der Fürst antwortet mit einer Rede, die, glaube ich, seine fünfzigste ist, seitdem wir europäischen Boden betreten haben! Man sieht hieraus, daß man, um eine Automobilfahrt von Peking nach Paris zu unternehmen, auch Redner sein muß!

Um 3 Uhr brechen wir wieder auf. Der flinke Lotse vom Vormittag fährt wieder voran, um uns den Weg zu zeigen. Aber in dem benachbarten Dorfe Müngersdorf rennt er infolge seiner übermäßigen Schnelligkeit gegen ein Haus, zertrümmert die Wand und fährt durch sie hindurch, glücklicherweise ohne die Bewohner zu verletzen. Ich weiß nicht genau, wie sich der Unfall ereignet hat; als wir ins Dorf kamen, fanden wir das Lotsenautomobil umgestürzt am Boden liegen neben dem aufgerissenen Hause, durch dessen ungeheuere Bresche man das bescheidene Mobiliar erblickte, während der Automobilfahrer unerschrocken vor den herbeigeeilten, empörten Bauern stand und, auf die Trümmerstätte deutend, zu uns sagte:

„Messieurs! Regardez ce que j’ai fait!“

Hierauf setzen wir unsere Fahrt allein fort, nachdem wir mit den Mitgliedern des Automobilklubs, die uns bis Müngersdorf gefolgt sind, herzliche Abschiedsgrüße getauscht haben.

Die Nachricht von unserer Durchfahrt ist überallhin telegraphiert worden: viele Leute rufen uns „Adieu“ zu. In einigen Städten haben die Lehrer ihre Schüler vor den Schulen aufgestellt, damit diese das Automobil, das von Peking kommt, sehen können — ein vortrefflicher Ansporn für das Studium der Geographie. Die Kinder begrüßen uns mit hellen, fröhlichen Stimmen. Reihen von blonden Schülerinnen klatschen voll Begeisterung in die Hände.

Um 5 Uhr fahren wir in die Vorstädte Aachens ein. Leute strömen in Menge herbei, begrüßen uns mit Hochrufen und guten Wünschen, als wir vor einem Café halten, um einige Gläser frischen Bieres zu leeren. Wir finden einen neuen dienstwilligen Lotsen, der aber die Straße verfehlt und die Richtung nach Brüssel einschlägt. Wir bemerken es noch rechtzeitig und wenden uns Lüttich zu. Rasch nähern wir uns der Grenze.

Nach so vielen festlichen Empfängen wird uns schließlich auch ein weniger wohlwollender Gruß zuteil: eine alte Bäuerin, die am Fenster steht, während wir im Schritt durch ihr Dorf fahren, ballt wütend die Fäuste gegen uns und ruft uns giftig zu: