„Ettore, lege dich so, daß du die Pistole bei der Hand hast.“

Ich begab mich zu unseren französischen Nachbarn, um ihnen das Vorkommnis mitzuteilen. Auch sie machten ihre Waffen schußbereit.

Aber nie in unserem Leben verbrachten wir eine ruhigere Nacht. Die Diebe, die wahrscheinlich zu den Bewohnern des benachbarten Dorfes gehörten, begnügten sich mit dem Besitz der Patronen, des Messers und der übrigen Kleinigkeiten und hielten sich in der Ferne. Wir nahmen uns vor, Bewunderern gegenüber vorsichtiger zu sein.

Spät in der Nacht drang die schneidende Kälte durch die Pelze hindurch bis auf die Haut und weckte uns lange vor Tagesanbruch, während wir durch die Zeltöffnungen noch die Sterne am Firmament funkeln sahen.


Als wir uns erhoben, bemerkten wir, daß die Mongolen bereits aufgebrochen waren.

Zuerst verließ der dreirädrige „Contal“ das Lager. Er war am Abend zuvor mit großer Verspätung ins Lager gekommen, da er mehrmals durch die Unebenheiten der Straße aufgehalten worden war. Stellenweise war er von seinen beiden willigen, zu allem entschlossenen Führern geschoben worden, und der Motor hatte sich einigemal beim Überwinden der Geländeschwierigkeiten erhitzt. Er war daher zuerst aufgebrochen, um einen Vorsprung auf die etwa 200 Kilometer zu haben, die wir an dem Tage zurücklegen mußten. Dieses Handikap war am Abend beschlossen worden.

Ungefähr eine Stunde später fuhren die beiden „de Dion-Bouton“ und der „Spyker“ in kurzen Zwischenräumen davon. Es war 4 Uhr. Wir wurden durch das Gepäck aufgehalten, für das es uns nicht gelang, einen geeigneten Aufbewahrungsort ausfindig zu machen. Die Gepäckfrage hat uns bis zum Ende der Reise Schwierigkeiten bereitet. Sie war unsere Qual, unser Alb. Bei dem Bau und der Einrichtung der „Itala“ war alles vorgesehen, erwogen und geistreich ausgeführt worden, aber an das Gepäck hatte niemand gedacht. Es fehlte an Mitteln, es unterzubringen und zu befestigen. Wir mußten es mit Stricken festbinden, die durch die Federböcke gingen, aber die Stricke, die sich infolge der Feuchtigkeit der Nacht zusammengezogen hatten, dehnten sich in der Sonne aus, lockerten sich, das Gepäck rutschte, geriet ins Schwanken und fiel herunter. Es bedurfte vielstündiger Arbeit, um es wieder an Ort und Stelle zu bringen.

Die Sonne ging eben auf, als wir uns gegen 5 Uhr auf den Weg machten. Wir folgten den Spuren der andern Automobile in dem betauten Grase. Nachdem wir an kleinen chinesischen Niederlassungen vorübergekommen waren, fanden wir einen Pfad. Seit einer Stunde waren wir unterwegs, als wir den „Contal“ stillstehend antrafen. Pons und sein Gefährte waren abgestiegen und schienen damit beschäftigt, etwas am Motor nachzusehen. Der Fürst, welcher steuerte, hielt die Maschine an, um Hilfe zu leisten. Nachdem wir uns begrüßt hatten, erklärte Pons, wir möchten unsere Fahrt nur fortsetzen; er brauche nichts. Wir nahmen an, er warte die Abkühlung des heißgelaufenen Motors ab, und fuhren weiter. Eine halbe Stunde später holten wir die andern Automobile ein, die hintereinander fuhren. Wir grüßten und setzten unsere Fahrt fort. Der verabredete Treffpunkt war die Telegraphenstation Pang-kiang.

Die Erleichterung des Wagens zeigte ihre guten Wirkungen. Die Federn hatten sich wieder aufgerichtet, und das Chassis blieb in der richtigen Entfernung vom Differenzialwerk. Die „Itala“ lief mit einer Schnelligkeit von 30 Kilometern die Stunde.