Es war 8 Uhr früh geworden, als wir in die Nähe einer Anzahl Jurten, eines kleinen Lagers, gelangten. Auf einer Art Gerüst standen einige Leute als Wache und schlugen Alarm. Grenzenlose Verwirrung entstand unter den Bewohnern, die auf die Straße liefen und uns Zeichen machten. Als wir näherkamen, erkannten wir unter ihnen unseren wackeren Mongolen vom Abend zuvor, gehüllt in sein prächtiges pfauenblaues Gewand; er bemühte sich, uns durch seine ausdrucksvolle Gesten halt zuzuwinken. Wir waren in seinem Dorfe, und er hatte die Absicht, uns mit seiner Gastfreundschaft zu beehren. So verbindlich und aufrichtig hatte er sich gezeigt, daß wir ihm nicht die Kränkung zufügen wollten, weiterzufahren, wozu wir große Lust hatten. Die „Itala“ fuhr daher mit einer schönen Schwenkung in die Umwallung des Nomadenlagers ein und hielt. Einen Augenblick später saßen wir im Innern der schönsten Jurte, der des Häuptlings, im Kreise herum.

Kamelkarren in der Wüste.

In der Mitte brannte das Feuer, und der scharfe, einen leichten Moschusgeruch verbreitende Rauch entwich durch die in der Mitte der Kuppel befindliche Öffnung. Ein schöner alter Mann, der Vater unseres Freundes, unterhielt uns in zeremonieller Weise mit einer an einen Oberpriester erinnernden Feierlichkeit der Gebärden, und eine alte Frau, die Mutter, setzte respektvoll Teller mit Käse vor uns nieder, Schalen mit scharfschmeckender Milch und Sahne, Tassen dampfenden Tees und Becher, die mit einer klaren, süßen, aus gegorener Milch hergestellten Flüssigkeit gefüllt waren. Die Becher, die europäischer Herkunft waren, wurden von dem alten Manne mit peinlicher Sorgfalt aus einem kleinen chinesischen Schranke, zu dem er den Schlüssel besaß, hervorgeholt. Der Schrank war der Aufbewahrungsort für die Schätze der Familie, der Geldschrank; in ihm waren auch, wie wir sahen, die von uns geschenkten Cornedbeefbüchsen untergebracht. Während wir uns gewissenhaft mit Milch anfüllten, hörten wir Worte, die uns vor Überraschung in die Höhe fahren ließen.

„Sprechen Sie deutsch?“

Ein junger Mongole, der soeben eintrat, hatte diese so einfache und doch so verblüffende Frage an uns gerichtet. Er hatte mit vortrefflicher deutscher Betonung gesprochen.

„Ja,“ erwiderte der Fürst, der aufs höchste erstaunt war, „ich spreche deutsch.“

Und der junge Mongole begann sich mit uns in der Sprache Goethes zu unterhalten. Er fragte, welches die Maximalgeschwindigkeit unseres Automobils sei, und fand sie zufriedenstellend.

„Wo haben Sie denn Deutsch gelernt?“ fragte Don Scipione.

„In Berlin. Berlin liegt weit von hier!“