„Im XV. Jahrhundert hatte sich bei den Italienern bereits die Anschauung gefestigt, dass die Freundschaft des Achilleus und Patroklos, wie die des Orest und Pylades sodomitische Verhältnisse waren, während sich bei Homer keine direkten Hinweise hierauf finden.“
„Haben die Italiener sich denn das selbst ausgedacht?“
„Nein, sie hatten recht, aber es handelt sich darum, dass allein das zynische Verhalten zu jeder Art der Liebe sie zu einem Laster macht. Handle ich sittlich oder unsittlich, wenn ich niese, den Staub vom Tische wische, den Kater streichle? Allein diese selben Handlungen können dennoch verbrecherisch sein, wenn ich, sagen wir zum Beispiel, mit meinem Niesen einem Mörder die zum Morde günstige Zeit angebe usw. Jemand, der kaltblütig, ohne Wut einen Mord begeht, beraubt diese Handlung jeglicher ethischer Färbung, es bleibt nur noch die zwischen Mörder und Opfer, zwischen Liebenden, zwischen Mutter und Kind bestehende mystische Gemeinschaft.“
Es war ganz dunkel geworden und man konnte durch das Fenster die Dächer der Häuser und in der Ferne die Isaakskathedrale auf dem schmutzig-rosa Himmel, der ganz in Rauch gehüllt war, kaum noch unterscheiden.
Wanja schickte sich an, nach Hause zu gehen; der Kater humpelte, von Wanjas Mütze, wo er gelegen hatte, vertrieben, auf seinen verkrüppelten Vorderpfoten weiter.
„Sie sind gewiss ein guter Mensch, Daniil Iwanowitsch, allerhand Krüppel lesen Sie auf.“
„Der Kater gefällt mir und es ist mir angenehm, ihn bei mir zu haben. Wenn das tun, was einem Vergnügen macht, gut sein heisst, dann bin ich gut.“
„Sagen Sie bitte, Smurow,“ sagte Daniil Iwanowitsch, Wanja zum Abschied die Hand drückend, „sind Sie selbst darauf verfallen mit griechischen Unterhaltungen zu mir zu kommen?“
„Ja, das heisst, diesen Gedanken hat mir vielleicht jemand anderes eingegeben.“
„Wer denn, wenn es kein Geheimnis ist?“