Ein Lächeln umspielte noch die Lippen des Jünglings, als er den letzten Brief des Mädchens zu lesen begann, aber allmählich verfinsterte sich seine Stirn, die Brauen hoben sich, die Lippen pressten sich zusammen und seine Stimme klang erregt und rauh, als er, den Brief in sein Gewand bergend, fragte: „Ist es Wahrheit was in diesem Briefe steht?“

„Ich weiss nicht, was die arme Herrin geschrieben hat, aber dieses, das habe ich mit eigenen Augen gesehen“ — und er liess jetzt den geschickt erfundenen, übrigens zur Hälfte der Wahrheit entsprechenden Bericht vom angeblichen Tode der Phyllis folgen. Der Schleier, von dem Pankratius bestimmt wusste, dass er dem Mädchen gehöre, überzeugte ihn vollends von der Wahrheit der traurigen Erfindung, und nachdem er den Fischer, reich belohnt, entlassen hatte, kehrte er zerstreut zum Ballspiel mit dem hochgewachsenen Knaben zurück, das ihn täglich zwischen Bad und Mahl zu beschäftigen pflegte.

Phyllis hatte sich hinter der niederen Tür versteckt und wartete lange auf die Rückkehr ihres Wirtes, während sie den Arbeiten in den Gemüsegärten zusah, bis die Sonne schon begann unterzugehen und die Schwalben schreiend ganz niedrig dahinschossen, dass sie mit den Flügeln fast das stille Wasser streiften. Endlich hörte sie das Geräusch der Kiesel, die unter den Füssen des bergansteigenden Alten hinunterrollten.

III.

Sieben- oder achtmal liess die verschmähte Phyllis sich die Einzelheiten der Begegnung mit Pankratius wiedererzählen. Sie wollte wissen, was er zuerst gesagt und was er darauf gesagt habe, und wie er gekleidet gewesen und wie er ausgesehen habe: ob er traurig oder gleichgültig, blass oder blühend gewesen, — und Nektanebes strengte vergeblich sein altes Gedächtnis an, um die hastigen und abgebrochenen Fragen des Mädchens zu beantworten.

Am nächsten Morgen sagte er: „Wie denkst du, Herrin? Du musst in dein Haus zurückkehren, da du doch unter den Lebenden weilst.“

„Nach Hause? Um nichts in der Welt! Dann erfahren ja alle, dass ich noch lebe; du vergissest, dass ich eine Tote bin!“

Und Phyllis lachte laut auf. Ihre lebensprühenden Augen und Wangen machten den Scherz ihrer Erfindung noch lustiger.

„Ich bleibe bei dir: am Tage, wenn du in die Stadt gehst, lege ich mich zwischen die Beete, und unter den reifen Melonen wird mich niemand gewahren, und am Abend wirst du mir erzählen, was du am Tage gesehen hast.“

Schliesslich bewog der Fischer die junge Herrin, ihrer alten Amme, die auf einem Landgute in der Nähe von Alexandria lebte, im geheimen ein Zeichen zu geben, ihr aufrichtig alles zu erzählen und dort abzuwarten, was Zeit und Schicksal bringen würden. Er selbst versprach, jeden Tag alles über Pankratius zu berichten, was mit Phyllis irgendwie in Zusammenhang stehen sollte.