V.
Phyllis sass auf der Schwelle des Hauses und las die Papyrusrollen, die Nektanebes eben gebracht hatte, und auf denen von der Hand des Schreibers aufgezeichnet stand: „Elegie der Phyllis, der unglücklichen Tochter des Palemon“. Sie sass gebeugt da und hörte nicht, wie die Sklaven mit Zubern voll frischgemolkener Milch vorübergingen, wie der Gärtner die Blumen beschnitt, wie das Hündchen, einen hüpfenden Frosch verfolgend, bellte, und wie in der Ferne die Schnitterinnen ein wehmütiges Lied sangen. Die Zeilen zogen an ihrem Auge vorüber und die Erinnerung an ihre vergangenen Qualen legte sich wiederum, wie Nebel, auf ihre sorglosen Augen.
Eltern, liebe Eltern,
Vater und Mutter mein,
viel habt ihr mir hinterlassen:
bunte Gewänder,
weisse Pferde,
gewundene Spangen, —
aber lieber, als alles,
hab ich den grellroten Schleier