„Hätten Sie Ihre Abreise, Ihre Interessen, einfach für wichtiger gehalten, Herr Lande, als daß ein Mensch mit seiner offenen Seele zu Ihnen gekommen war, so wollte ich wahrscheinlich auf Sie spucken und mir sagen: ‚Ein wertloses Menschenvieh, wie alle!‘ Aber das war es nicht. Ich sah, daß Sie mich einfach nicht verstanden, meine Qual nicht sahen ...“
Lande preßte die Finger zusammen.
„Jedem Menschen kann das doch passieren! Es gibt einen Zustand, den die Seele im Menschen schläft ... So schlief ich damals auch. Und Sie ... Warum haben Sie mich nicht aufgeweckt, nicht aus dem Schlaf gestoßen?“
Wieder lächelte Tkatschow langsam und böse.
„Und ich dachte so, Herr Lande ...“ seine Stimme klang wie eine feierliche, längst erwartete, in der Seele brennende Beichte. — „Hier ist ein Mensch — der Beste, — solchen zweiten werde ich in meinem ganzen Leben nicht finden, selbst ihm an die Seele zu pochen, ist schwer ...“
„Nicht immer, Tkatschow ...“
„Na, nicht immer ... Dafür ist es ja diesmal ein besonderer Mensch. Und auch er muß manchmal ordentlich gerüttelt werden, bis er den fremden Schmerz empfindet! ... Was ist dann erst mit den anderen? ... Die werden sich schließlich wohl gar nicht aus dem Schlummer stoßen lassen? ... wie, was meinen Sie?“ fragte Tkatschow spöttisch.
„Nicht möglich! Man muß rütteln ... man erreicht es schon!“
„Aber auf diese Weise, wenn man bei jedem Menschen einzeln pochen soll, werden die Kräfte nicht ausreichen. — Was soll dann noch zum Leben bleiben?“
Tkatschow verstummte triumphierend.