„Und wissen Sie, was Millionäre denken?“ fragte Mishujew hochmütig, ohne daß ihm selbst sein Ton zum Bewußtsein kam.

„Aber gewiß doch! Alles weiß ich! Als ich ein berühmter Schriftsteller war ...“

Alle brachen in Lachen aus. Aber Podgurski maß dem keine Bedeutung bei.

„... habe ich mir Millionäre angesehen, wie andere Hunde. Ich sehe sie durch und durch, wie ein Gläschen Wodka!“

Es wurde Sekt gebracht. Mit ihm kam der Geruch von Eis und Feuchtigkeit, als hätte man die Türen zu einem Keller geöffnet. Der alte Geschäftsführer schüttelte höflich den Backenbart und strengte sich an, in irgend einer Sache den rücksichtslosen Podgurski zur Vernunft zu bringen. Der lebte auf: seine dünnen Haare erhoben sich, einzeln und in Büscheln, seine Äuglein funkelten unverfroren und gierig, und die widersinnige Weste streckte sich frech hervor. Er machte Witze, trank, schrie, und man sah ihm an, daß er sich wenn nicht gerade glücklich, so wenigstens satt und behaglich fühlte. Mishujew schaute auf ihn und bemerkte mit intensivem Vergnügen, daß sich dieser Gentleman den Teufel um Mishujew, um dessen Millionen, um Tschetyrjow, um irgend etwas in der Welt kümmerte. Er hatte Sekt, Zigarren, seine Witze; alles andere kam für ihn nur insofern in Betracht, als es zu ihm gehörte und ihn fütterte.

Tschetyrjow und Marussin tranken nichts; sie aßen auch fast gar nichts. Sie schwiegen die ganze Zeit, wechselten selten einzelne Worte miteinander und hörten nur allem, was um sie vorging, so aufmerksam zu, wie nur Künstler zuzuhören vermögen. Dabei schienen sie Mishujew vollständig und mit Absicht zu übersehen. Ihn quälte es. Dafür wendete aber Opalow kein Auge von ihm. Immer noch war er erwartungsvoll neugierig. Die ganze Zeit gab er sich Mühe, das Gespräch mit Mishujew im Fluß zu halten, machte Witze, warf treffsichere Bemerkungen ein, in deren Spiel sein Wunsch, Mishujew zu gefallen, deutlich hervortrat.

Am Nebentisch saß eine starke, auffallend elegante Dame mit einem kleinen Ausschnitt auf ihrem zarten, rosigen Rücken.

„Ist es Ihnen schon aufgefallen, Fjodor Iwanowitsch,“ sagte Opalow, „daß die nackte Frauenhaut in der Restaurantbeleuchtung stets naß erscheint?“

„Fehlgeschlagen!“ schnitt Podgurski seine Worte autoritär ab; man sah ihm sofort an, daß er das versteckte Bestreben Opalows, zu gefallen, genau bemerkt hatte und es nun zu verspotten suchte. „Tüfteln Sie was besseres aus. Das war billig. Warum gerade bei Restaurantsbeleuchtung?“

Die weiten, schwarzen Augen blinzelten rasch, doch Opalow gab sich den Anschein, als verfechte er aufrichtig seine Bemerkung.