„Na, da hätten wir ja ein Stück aus dem sozialdemokratischen Programm,“ bemerkte Podgurski spöttisch.

„Der Millionär selbst, wie er steht und geht, als lebender Mensch, ist meines Erachtens ein Unsinn!“ fiel ihm Tschetyrjow schroff ins Wort.

„Was haben Ihnen nur die unglückseligen Millionäre getan?“ Opalow versuchte wieder, das Gespräch in ein friedlicheres Fahrwasser zu bringen.

Aber diese Einmischung erregte Mishujew. Er las in den neugierigen Augen Opalows verstecktes Vergnügen.

„Nein, ich möchte Sie bitten, Ssergej Maximowitsch, sich eingehender auszusprechen,“ sagte er kühl aber zwingend.

Opalow blinzelte unsicher und lächelte ungeschickt.

„Wie habe ich mich noch auszusprechen!“ erwiderte Tschetyrjow düster. „Was ich denke, das habe ich bereits gesagt. Ich halte das Leben von Menschen, in deren Händen sich eine kolossale, ihnen nicht zukommende Macht konzentriert, für sinnlos. Sie können sich doch unmöglich dem Bewußtsein entziehen, daß sie an sich nicht eine Null, sondern noch etwas Tieferes sind ... daß sie ohne ihre Millionen für niemanden mehr nötig sind. Und da ergibt sich dann als logische Notwendigkeit für sie, sich entweder in volles Nichts zurückzuziehen oder diese Macht auszunützen. Wie aber kann sie ausgenützt werden? Was kann Geld, vieles Geld, verschaffen? Ausschweifungen, Gewalt, Luxus ... Es wäre unter solchen Umständen recht sonderbar, wenn man annehmen wollte, daß ein Mensch allem dem leicht entsagen würde, was sich ihm so gefällig und bequem in den Weg stellt. Der Reiche gefällt sich in Ausschweifungen, Vergewaltigungen, ... im Despotismus ...“

„Aber doch nicht darin allein ... Z. B. Tretjakow[1] ...“ warf Mishujew leise hin.

„Was war denn Tretjakow,“ schnitt ihm Tschetyrjow schroff das Wort ab. „Ein gleicher Despot wie andere. Ein Mensch, der sein ganzes Leben darauf verwendet hat, einen Druck auf die Kunst in der ihm genehmen Richtung auszuüben. Der eine neue Strömung widerwärtigster Tendenzkunst in Rußland ins Leben rief und die gesunde, normale Entwicklung unserer Kunst für ein Dutzend Jahre aufgehalten hat ...“

Die schwache aber scharfe Stimme Tschetyrjows konnte nur mit Anstrengung gegen den Restaurantslärm ankämpfen, sie klang angestrengt und böse.