Mit einem Male war alles, was ihm noch soeben trübe und unüberwindlich schien, verschwunden; er sah sich im Morgenlicht mitten im Garten neben einer gemarterten Frau, schmutzig und abstoßend wie ein Tier.
Sie raffte ihre Kleiderstücke und Röcke zusammen und wickelte sich sofort in die Spitzenfetzen ein. Dann schaute sie sich um, und trat mit einem unbegreiflichen Blick in den dunklen Augen vor ihn. In diesen Augen sah er Widerwillen und scharfen ohnmächtigen Haß leuchten.
Sie schwieg still und zitterte in ihrem Mantel am ganzen Leibe. Mishujew lächelte, wartete eine Weile und ging dann verwirrt zur Seite. Er wußte nicht, was er noch sagen und tun sollte.
Plötzlich empfand er entsetzliche, beißende Scham und eine eigentümliche erniedrigende Furcht. Alle Menschen, die er heute gesehen hatte — Tschetyrjow, Parchomenko, Maria Sergejewna, Marussin, Opalow — schwirrten blitzschnell an ihm vorüber. Die haßerfüllten strafenden Augen Tschetyrjows steckten hinter diesen furchtbaren, vom gleichen unversöhnlichen Haß erfüllten Frauenaugen; er schrie beinahe vor Schmerz, Scham und völliger Verzweiflung auf.
Doch inzwischen legte sich ein sonderbarer Schatten auf ihre Augen. Teils Angst, teils Gefälligkeit und Habsucht. Sie machte eine Anstrengung, um zu sprechen, ihre Lippen erzitterten, und Mishujew, der sie anblickte, bekam mit einem Male vor ihr Furcht.
Das schien kein Mensch mehr zu sein, sondern etwas anderes, erbärmlich Widerwärtiges; ihre gierigen und bösen Augen blickten verlogen und frech, die Lippen waren gefällig zu einem glitschigen Lächeln verzogen. Sie machte zwei Schritte vorwärts und legte den nackten Arm um seinen Nacken.
Das blasse Morgenlicht glitt über ihre reinen Linien und verlor sich in dem weichen Schatten der vollen, üppigen Brüste.
Ihn überlief etwas wie ein Schreck, aber im nächsten Augenblick blieb nur noch Widerwillen gegen sie und gegen sich selbst zurück. Es kam ihm sinnlos vor, daß in ihm eine Minute vorher noch dieser furchtbare Sturm getobt hatte, von dem jetzt nichts zurückgeblieben war. Furchtlos und töricht war er vorübergegangen; er empfand einfach Übelkeit.
„— Nicht nötig, —“ sagte er ungeschickt. „Das Geld schicke ich später zu.“
Sie streckte sich ihm noch einmal entgegen, lächelte ihm verlockend mit den verlogenen Lippen zu, aber Mishujew wandte sich jäh um und ging mit schweren Schritten fort.