Aber die Erde hing ebenso unbeweglich wie früher über ihren Köpfen.

„Und das ist alles,“ sagte eintönig Jurii.

„Gehen wir zurück! Kommen Sie!“

Sie gingen zurück, doch als Karssawina voraus schritt und Jurii nun den Rücken zukehrte, sodaß er ihre kräftigen, elastischen Hüften sah, stieg die heiße Gier in der alten Stärke wieder in ihm auf.

„Hören Sie, Sinaida Pawlowna,“ fing Jurii an, obgleich er schon im voraus von seiner Stimme und der Frage erschreckte; er bemühte sich, sie möglichst harmlos zu gestalten. „Hören Sie. Es ist ein interessantes, psychologisches Problem! Warum fürchten Sie nicht, mit mir hier herumzukriechen? Sie sagten selbst, daß es niemand hören würde, wenn hier drinnen jemand schreit. Und Sie kannten mich doch absolut nicht.“

Karssawina fühlte, daß sie in der Finsternis tief errötete, schwieg aber; Jurii atmete schwer und sie konnte jedem dieser Atemzüge deutlich folgen. Er war von glühender Scham erfaßt worden und doch durchflutete ihn ein angenehmes Gefühl, als glitte er sicher über einen breiten Abgrund.

„Ich nahm selbstverständlich an, daß Sie ein anständiger Mensch sind,“ stammelte schwach und zitternd das Mädchen.

„Vielleicht haben Sie das umsonst gedacht,“ erwiderte Jurii, noch immer das heiße Gefühl durchkostend. Plötzlich erschien es ihm originell, daß er so und nicht anders zu ihr sprach; er fand sich und die ganze Situation, in die er sie gebracht hatte, bewundernswert.

„So hätte ich mich ertränkt,“ sagte Karssawina einfach, noch stiller und noch mehr errötend.

Aus diesem kurzen Satz strömte eine weite und mitleidvolle Bewegung in Juriis Seele über. Die Erregung versank mit einemmal, und ihm wurde vollkommen frei und leicht zumut.