— Muß man Dich erst dahin zurückführen? Mit Vernunft? Ich bin mit Vernunft mittendrin, in jedem Märchen, Du Märchenprinz. Mittendrin!
Sie lachte, so übermüthig und ansteckend, daß Grege mitlachen mußte, ob er wollte oder nicht.
— Du solltest mir Deine Geschichte erzählen,
Grege. Aber siehst Du, sonderbar, ich erzähle mir sie selbst. Ich weiß Alles. Hörst Du? Alles!
— Ich erkläre, daß Du dann mehr weißt, als ich selbst. Vieles in meinem Leben ist mir wie verriegelt und versiegelt, ich kann nicht dahinter kommen. Wieder Anderes, weite Strecken meiner Jugend — ach, was rede ich!
— Nun?
— Ist so verschattet, daß ich’s nicht mehr entziffern kann, es ist wie eine alte verblichene Handschrift.
Sie setzte wieder mit ihrem hellen Lachen ein: — Poeten-Flausen! Was man nicht weiß, zählt nicht. Das mag so oder anders gewesen sein, was liegt daran? Nur das Bewußte ist das Wirkliche. Das Andere ist einfach nicht da, für uns nicht da. Was soll’s uns also?
— Das ist leicht gesagt. Hinweglachen läßt sich’s auch nicht, was in unserem Leben dagewesen ist. Das bleibt unserem Schicksal einverwoben. Denk’ nur an das Gesetz der Vererbung, das uns so Vieles mitschleppen läßt, wovon wir kaum eine Ahnung haben. Aber hat es uns nicht doch am Kragen, ob wir’s wissen und wollen, oder nicht?
— Vererbung! Wenn das so schrecklich buchstäblich zu nehmen wäre, dann hätten wir die Ehre, heute sammt und sonders stumpfsinnige, schmutzige Chinesen zu sein, wir Europäer. Schau’ mich an, Grege: Bin ich stumpfsinnig? Bin ich schmutzig? Bin ich chinesisch?