— Sie leben im Meere . . .

— Die Naturforscher?

— Die Algen leben im Meere, besonders auf den Korallenriffen und gleichen äußerlich Polypen-Stöcken, da ihr ganzer Körper mit einer Kalkschicht bedeckt ist und steinhart erscheint. Diese Korallen-Algen, von den ältesten Naturforschern, am Ausgang des neunzehnten Jahrhunderts noch, Nulliporen genannt, haben in früheren Zeiten der Entwicklung unserer Erde mächtige

Gesteinsschichten aufgebaut. Vor hundert Jahren noch hat man bei Ausgrabungen in den Ruinen von Paris ungeheure Massen von Baustein gefunden, der aus Foraminiferen-Schälchen gebildet ist, während man in den Ruinen von Wien hauptsächlich Bausteine fand, die aus den Gerüsten von Kalkalgen gewachsen sind.

— Und in den Ruinen von Berlin? fragte Grege dazwischen.

— Dort liegt das Meiste noch unberührt. Aeltere Ausgraber, namentlich amerikanische Archäologen, versicherten, die Arbeit lohne zu wenig, da man bislang noch nichts eigenartig Werthvolles gefunden. Eine andere Gruppe von Algen bilden die Erbauer des Travertins, jenes Kalkgesteins, aus dem die ungeheuren Bauten des altklassischen Roms und zum Theil auch des päpstlichen Roms errichtet sind. Hier sind die Ausgrabungen nicht wieder aufgenommen worden, seit die Päpste unter dem Pontifex Nathanael Rothschild IX. Europa verlassen und die letzten Reste des Vatikanismus nach Amerika gerettet haben. Denn auch die Nebenpäpste in Konstantinopel und Sevilla haben damals, ihres unersprießlichen Wirkens müde, den europäischen Staub von ihren Pantoffeln geschüttelt, und haben ihre Statthalterei über den Ozean getragen, nach Südamerika und Australien.

— Was ich ihnen nicht verdenke, meinte Grege still für sich.

— Die großartigsten Bildungen dieser Algenart, aus der Gruppe der . . . der . . . Schizophyceen, finden sich in Amerika. Unter den heißen Quellen des Yellowstone-Parks

haben die Mammuthsprings gewaltige Travertinmassen abgesetzt, die eine Ausdehnung von über zwei Quadratmeilen und eine Höhe von einigen tausend Fuß erreichen. Auf dem glänzenden Weiß der ungeheueren Travertin-Terrassen heben sich gelbe und rothe, grüne und braune Streifen und Flecken in Menge ab und zeigen den Lauf des herabrinnenden Wassers. Es sind die Anzeichen eines üppigen Algenwuchses, der je nach der Temperatur des Wassers bald diese, bald jene Farbe zeigt. So erscheinen bei 65 Grad nur weiße Algen, die in der Regel mit seidenglänzendem Schwefel bedeckt sind, bei etwas geringerer Temperatur stellen sich grüne Farben ein, bei noch geringerer Wärme kommen die rothen und orangefarbigen und in den kühlsten Becken sind sie olivenbraun.

— Das muß ja prachtvoll aussehen, rief Grege und blickte schwärmerisch auf die gelehrte Meisterin, die unermüdlich weiter dozirte.