Er pries sich, in der angenehmen Lage zu sein, eine Abtheilung des Festzuges, worin die „politisch-sozial verdächtigen Schattirungen“ vorgeführt und der Verhöhnung preisgegeben würden, diesmal großartig ausstatten zu können. Zahlreiche Verdächtige seien ihm von seinen Spähern notirt. Ein gewisser Geist der Empörung schien im letzten Jahre lebhafter um sich gegriffen und mehr Opfer als sonst gefordert zu haben: — Das kommt uns natürlich sehr erwünscht. Wir werden ein Exempel statuiren, des hohen Festes würdig.
— Ja, aber . . . fragte Ao ängstlich, ein wirklicher „Geist der Empörung“?
— Bei der Jugend, allerdings, Hoheit Oberpriester. Natürlich in jenen Schranken, der zwar keine Erschütterung des Staates befürchten, aber immerhin eine Erweiterung unserer Machtbefugnisse und eine Verstärkung unseres Druckes auf die Köpfe zweckmäßig erscheinen läßt.
— Ach so. Ich dachte schon . . .
— Nein, Ao, davon ist keine Rede. Aber ich werde mir eine größere Anzahl Burschen herausfangen, die ihre Zunge in politischen Diskussionen allzu frei spazieren ließen.
— Was? Man diskutirt in Teuta? Die Jungen diskutiren?
— Hoheit Oberpriester, beruhige Dich. An sich ist die Sache ja furchtbar harmlos. Aber um ein Exempel zu statuiren . . . Man weiß ja, wie wohlthätig
das wirkt. Ernster ist folgender Fall: Im neunundneunzigsten Bezirk haben Etliche die Werkzeuge zerstört, also sich am Gemeineigenthum vergriffen. Eigenthum verdient unter allen Umständen höheren Schutz, als die persönliche Freiheit, denn es ist todte Sache und kann sich nicht wehren, erstens, und zweitens, das Eigenthum drückt die Macht des Staates aus. Wer sich im Geringsten am Eigenthum vergreift, vergreift sich am Staate.
— Sehr richtig, Oberrichter Kaspe.
— Sodann lasse ich eine Anzahl Individuen vorführen, welche die Heiligkeit unserer sittlichen Ordnung verletzt haben. Man hat sie zu unangemessener Zeit an den Thoren gesehen, welche zur Frauenstadt führen. Die Thore waren zwar verschlossen, allein die Absicht war nicht zu leugnen, unserer staatlich patentirten Sittlichkeit ein Bein zu stellen oder auch zwei.